PAURAnoia: So eine Art Inhaltsverzeichnis

Ein paar Gedanken und Bewertungen zum (eher) abseitigen Film. In der Reihenfolge, wie sie mir vor die Füße liefen. (Zur spezielleren Navigation einfach die Tags nutzen.)

001. Dogtooth – Kynodontas (2009)

002. Zabriskie Point (1970)

003. Die Verachtung (1963)

004. La Bête – Die Bestie (1975)

005. Tausendschönchen – Sedmikrásky (1966)

006. Viva la muerte – Es lebe der Tod (1970)

007. Der Gott des Gemetzels (2011)

008. Amer – Die dunkle Seite deiner Träume (2009)

009. Let Sleeping Corpses Lie (1974)

010. Drive (2011)

011. Kabinett außer Kontrolle (2009)

012. The Burrowers (2008)

013. Kika (1993)

014. Henry – Portrait Of A Serial Killer (1986)

015. A Serious Man (2009)

016. Meet The Feebles (1989)

017. Barracuda – Vorsicht Nachbar! (1997)

018. Possession (1981)

019. The Killing Fields (1984)

020. Permanent Vacation (1980)

021. eXistenZ (1999)

022. Der Saustall (1981)

023. Howl – Das Geheul (2010)

024. Workingman’s Death (2005)

025. Insignificance – Die verflixte Nacht (1985)

026. Lärm & Wut (1988)

027. Ruinen (2008)

028. Der Leichenverbrenner (1968)

029. Confessions – Kokuhaku (2010)

030. Die Bettwurst (1970)

031. The Card Player – Il Cartaio (2004)

032. The Investigator – A Nyomozó (2008)

033. Leben und Tod einer Pornobande (2009)

034. Clean, Shaven (1993)

035. Bad Boy Bubby (1993)

036. Nails – Cruel Behaviour (2003)

037. Maniacts (2001)

038. Lifeforce – Die tödliche Bedrohung (1985)

039. Jesus’ Son – The Funny Life of Fuckhead (1999)

040. The Virgin Suicides (1999)

041. Punishment Park – Strafpark (1971)

042. Tagebuch einer Kammerzofe (1964)

043. Viridiana (1961)

044. Tristana (1970)

045. The Loved Ones – Pretty in Blood (2009)

046. Moon (2009)

047. Alice, Sweet Alice (1976)

048. Die Körperfresser kommen (1978)

049. Gainsbourg – Der Mann, der die Frauen liebte (2010)

050. Tokyo Sonata (2008)

051. Der Affe im Menschen (1988)

052. Deliver Us From Evil (2009)

053. Stranger Than Paradise (1984)

054. Im Glaskäfig (1987)

055. Shutter Island (2010)

056. This Is England ’86 (2010)

057. Erwartungen und Enttäuschungen (1981)

058. Heaven’s Burning – Paradies in Flammen (1997)

059. Antichrist (2009)

060. The Substance: Albert Hofmann’s LSD (2011)

061. Attack The Block (2011)

062. Delicatessen (1991)

063. Belladonna der Trauer (1973)

064. Attenberg (2010)

065. Das Gespenst (1983)

066. Benny’s Video (1992)

067. Chillerama (2011)

068. The Honeymoon Killers (1969)

069. Russ Meyer’s Vixen (1968)

070. Van Diemen’s Land (2009)

071. Russ Meyer’s Megavixens (1970)

072. Whores’ Glory (2011)

073. Russ Meyer’s Supervixens (1975)

074. Koyaanisqatsi (1982)

075. Russ Meyer’s Up! (1976)

076. Im tiefen Tal der Superhexen (1979)

077. Der rote Rausch (1962)

078. Forbidden Zone (1982)

079. Theater des Grauens (1972)

080. Berberian Sound Studio (2012)

081. Fear X (2003)

082. Rubber (2010)

083. Zombie Lake (1981)

084. Arrebato (1980)

085. Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod (2010)

086. Grand Piano – Symphonie der Angst (2013)

087. The Tomb (2007)

088. Der Diktator (2012)

089. Slipstream Dream (2007)

090. EMR – Swallow Your Fear (2007)

091. Zombi 4: After Death – Das Böse ist wieder da (1988)

092. Coherence (2013)

093. Escape From Tomorrow (2013)

094. The Cabin In The Woods (2012)

095. Tusk (2014)

096. God Told Me To (1976)

097. Poltergeist 3D (2015)

098. Psycho Legacy (2010)

099. Carnival of Souls (1962)

100. The Psychic (1977)

101. White Lightnin’ (2009)

102. Murder Rock (1984)

103. DIG! (2004)

104. The Tall Man (2012)

105. I Shot Andy Warhol (1996)

106. Rare Exports – Eine Weihnachtsgeschichte (2010)

107. Die Maschine (1994)

108. The Cell (2000)

109. The Attic Expeditions (2001)

110. Pontypool (2008)

111. Gospel According To Harry (1994)

112. Love (2015)

113. Anthropophagus (1980)

114. The Wicker Man (1973)

115. I Want To Be A Soldier (2010)

116. Es begann um Mitternacht (1974)

117. Alexandra’s Project (2003)

118. Barbarella (1968)

119. Bedevilled – Zeit der Vergeltung (2010)

120. Wonderwall (1968)

121. My Dinner With Jimi (2003)

122. Eden und danach (1970)

123. Picknick am Valentinstag (1975)

124. Coraline (2009)

125. Footprints on the Moon – Le Orme (1975)

126. Red, White & Blue (2010)

127. Mann beißt Hund (1992)

128. Blut an den Lippen (1971)

129. Singapore Sling (1990)

130. Opium – Tagebuch einer Verrückten (2007)

131. Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes (1971)

132. Overlord (1975)

133. Neverlost (2010)

134. Firecracker (2004)

135. Das 10. Opfer (1965)

136. Soft for Digging (2001)

137. Reality (2014)

138. Maggie (2015)

139. Livid – Das Blut der Ballerinas (2011)

140. Ink (2009)

141. Der Satan (1971)

142. Eden Log (2007)

143. Midnight Special (2016)

144. Puppet Master 3: Toulon’s Revenge (1991)

145. A Boy And His Dog (1975)

146. Guinea Pig 2: Flowers of Flesh and Blood (1985)

147. Black Moon (1975)

148. Baskin (2015)

149. Punk Love (2006)

150. A Fantastic Fear of Everything (2012)

151. La Antena (2007)

152. Liebe mich, wenn du dich traust (2003)

153. Dunkirk (2017)

154. Die Weibchen (1970)

155. Ich Seh Ich Seh (2014)

156. The Eyes of My Mother (2016)

157. Der Bunker (2015)

158. Arrival (2016)

159. Stung – Sie werden dich stechen! (2015)

160. Izbavitelj – Der Rattengott (1976)

161. Laurin (1988)

162. Der Umleger (1976)

163. Und erlöse uns nicht von dem Bösen (1971)

164. Picking up the Pieces (1989)

165. Captain Fantastic (2016)

166. Adrenochrome (2017)

167. Hagazussa – Der Hexenfluch (2017)

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Hagazussa – Der Hexenfluch

Hagazussa – Der Hexenfluch

(Regie: Lukas Feigelfeld – Deutschland/Österreich, 2017)

Eine Ziegenhirtin im Alpenraum des 15. Jahrhunderts wird nach dem traumatisierenden Tod ihrer Mutter von einer dunklen Präsenz aus den alten Wäldern heimgesucht. Als im psychotischen Wahn langsam die Grenzen von Realität und Alptraum verschwimmen, wird sie allmählich mit dem Bösen in ihr selbst konfrontiert.

Der geschmolzene Schnee des Winters gibt die Überreste von Albruns Kindheit frei; eine Kindheit, die sie im Schatten ihrer Mutter verbrachte, selbst eine Außenseiterin des dörflichen Lebens in den Alpen. Während die beruhigend weiße Decke der Natur zurückgezogen wird, deren schützende und lärmschluckende Schicht in der Sonne glitzert, entdeckt man Knochen, Schädel und Splitter, die sich zu Mosaiken des Missbrauchs zusammenfügen lassen. Im Kleinen die übergriffigen Handlungen zwischen Mutter und Tochter, das elende Eltern-Kind-Verhältnis seit Anbeginn der Zeit, eine Ebene darüber, im Größer- und Gröberen, die Drohungen der Dorfgemeinschaft gegenüber der Alleinerziehenden und ihrem Nachwuchs.
Lukas Feigelfelds Langfilmdebüt “Hagazussa – Der Hexenfluch” erschien fast zum gleichen Zeitpunkt wie “The VVitch” in der Kinolandschaft, auch wenn er produktionsbedingt länger in der Mache war (mal wieder ging es um das liebe Geld, die vermaledeite Filmförderung in Deutschland und ein Happy End durch Crowdfunding), einen Vergleich wird er sich also mit dem Hexenalbtraum aus Übersee gefallen lassen müssen. Der augenfälligste Unterschied sind die Bemühungen von “The VVitch” den Film übernatürlich aufzulösen, etwas, das Feigelfeld in “Hagazussa” vermeidet: Die außergewöhnlichen psychischen Zustände seiner Hauptfigur sind in der filmischen Wirklichkeit verankert und haben rationale Auslöser. Während die Bilder manchmal aus dem klar gegliederten Korsett der Naturaufnahmen, eingerahmt durch die Alpen, delirierend in Horrorvisionen ausbrechen, bleiben die eigentlichen Vorgänge nachvollziehbar. Der Wahnsinn der Einsamkeit wurzelt in familiärem Übel, bedingt durch die unbarmherzigen Einwirkungen der dörflichen Gemeinschaft, der Gesellschaft. Auf ein verkohltes Skelett reduziert, dreht sich hier alles um die Rolle von alleinerziehenden Außenseitern im Verhältnis zur argwöhnischen Mehrheitsgesellschaft, die ihre Sündenböcke gerne zur Herde vermehren möchte und nach geeigneten Opfern Ausschau hält.
Im zweiten Teil des Films, welcher sich insgesamt streng in die Abschnitte “Schatten”, “Horn”, “Blut” und “Feuer” einteilt, nimmt Albrun selbst die Mutterrolle ein, ihr wird (wie schon ihrer Mutter) ein Mann verwehrt, das Verhältnis zu den Dörflern mutet immer noch gespannt an, aber es herrscht Tauwetter. Albrun scheint eine Freundin, eine Verbündete zu finden, wäre da nicht dieses aufgesetzte, gezwungene Lächeln gleich den Tränen der Krokodile.
Bis zu diesem Zeitpunkt verlässt sich der Regisseur weitgehend auf die Naturaufnahmen seiner Kamerafrau, zuerst die bergige Schneelandschaft, später der alpine Frühling. Nach und nach schleichen sich beunruhigende Momente ein, der Wald entwickelt ein Eigenleben, er starrt nicht nur zurück, er starrt in die Hauptfigur hinein, womöglich um gedankliche Samen zu pflanzen. Das erinnert manchmal an “Antichrist”, Lars von Triers zum Skandal feuilletonisierten Film, verfällt aber nie in dessen Hysterie. Das angemessen träge voranschreitende Tempo verhindert dies. Von den Drone-Klängen der griechischen Gruppe MMMD untermalt, mehren sich nun Eindrücke aus dem Innern der Hauptfigur, in den Wald projiziert und manchmal verstärkt von ihm zurückgeworfen. Den ästhetischen Höhepunkt erreicht “Hagazussa” im Anschluss an einen Pilztrip, wenn sich der Infantizid in einem Tümpel zum Abbild des Kosmos ausweitet. Die Einheit des Scores von MMMD und der Bilder von Mariel Baqueiro wirkt so stark und schlüssig, dass ich mich zumindest im deutschen Film kaum an ähnliche berückende Momente erinnern kann. Diese mehrminütige Sequenz stellt definitiv das Highlight in “Hagazussa” dar und leitet das Finale ein: “Feuer”.
Wo die Übermacht des Dorfes stets spürbar bleibt, selbst wenn es kaum abgebildet wird, kann sich der Einzelne auf normalem Weg nicht aus dessen Fesseln befreien. Er muss die Gesetze und Grenzen der Mehrheit übertreten und sich schließlich selbst reinigen. “Hagazussa” kommt also zu einem eher gewöhnlichen Ende, wenn auch in ungewöhnlichen Bildern. Er liefert durch die Symbiose der einfach von “außen” gefilmten Vorgänge mit Darstellungen des Inneren ein Amalgam, das zumindest oberflächlich einleuchtend erklärt, wie der Glaube an Hexen funktionieren kann und welche gesellschaftlichen Umstände ihn entstehen lassen. Der Dämon, der hinter den sicheren Begrenzungen des Dorfes auf die Bewohner wartet (das Wort “Hagazussa” kommt aus dem Althochdeutschen und bezeichnet eine “Zaunreiterin”, später wurde daraus “Hexe”), entstammt einfach ihrer eigenen Borniertheit, ihrer beschränkten Sicht auf die Welt, ihrem Hang zum Simplifizieren. Nicht umsonst legt Feigelfeld in seinem fast dialogfreien Film der zwielichtigen Bekannten Albruns die Abscheu gegenüber “Juden und Heiden” in den Mund.
“Hagazussa” bleibt über gut 100 Minuten ein bildgewaltiger, aber stark entschleunigter Maelstrom von Vignetten zur Gewalt der Gesellschaft gegenüber dem Individuum, unterlegt mit einem perfekten Drone-Soundtrack, der die visuellen Eindrücke auf musikalischer Ebene ins Monolithische überhöhen kann. Definitiv ein Film für die große Leinwand, definitiv ein Soundtrack, um ihn mit dem ganzen Körper zu spüren. Definitiv ein Hoffnungsschimmer für den deutschen Film. 8/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 16.11.2018)
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Adrenochrome

Adrenochrome

(Regie: Trevor Simms – USA, 2017)

Surfen, Frauen und Parties – das ist Venice Beach. Und wo könnte man sich besser ein neues, gutes Leben aufbauen? Der junge Army-Veteran West versucht genau das – ein kompletter Neustart. Nachdem er jedoch während eines Drogentrips einen blutigen Mord beobachtet, wird er immer tiefer in eine brutale Welt aus Gewalt und Verbrechen hineingezogen und kann bald nicht mehr unterscheiden zwischen Wirklichkeit und Phantasie…

Ein-Mann-Armee Trevor Simms produziert, schauspielert, schreibt das Drehbuch, führt Regie und hat in allen anderen Bereichen des Filmemachens (vom Schnitt bis zu den Special FX) seine Finger im Spiel, nutzt er seinen ersten Spielfilm “Adrenochrome” doch ausgiebig zur Selbstdarstellung. Dreh- und Angelpunkt aller Geschehnisse ist Simms in seiner Hauptrolle als Irakkriegsveteran West, der – nach der Rückkehr aus George W. Bushs unter falschen Angaben und Lügen zustandegekommenem Angriffsfeldzug gegen das Böse in Form von Saddam Hussein (seines Zeichens Diktator ohne Massenvernichtungswaffen) – in Venice Beach, Kalifornien, einen Neuanfang wagt. Beim Versuch etwas Geld aufzutreiben, mischen ihm ein paar knapp beschürzte Strandmädels etwas in den Tee, so dass die Jobsuche zugunsten eines bizarren Drogentrips zurückgestellt werden muss, denn an dessen Ende wird er von der Polizei verhaftet, nachdem er nur mit Müh und Not einer kannibalischen Surfersekte auf der Suche nach dem neuesten Drogenkick entkommen war.
Klingt jetzt schon konfus? Nun – übersichtlicher wird es nicht mehr. Simms hat sich mit Haut und Haaren der trippigen Gegenkultur der späten 60er und frühen 70er verschrieben, schon in den ersten Szenen hat Raoul Duke (aus Hunter S. Thompsons “Fear and Loathing in Las Vegas”) einen Gastauftritt, später im Film fällt der Name von Colonel Kurtz, bekannt aus “Apocalypse Now”. Man mache jetzt nicht den Fehler und assoziiere mit Gegenkultur den angepassten, milden Quark, welchen Ökofritzen und Friedensbewegte in den Mainstream gespült haben; in “Adrenochrome” geht es um Sex, Drogen und Gewalt, einen Todestrip, nicht darum die Welt oder gar die Menschheit zu retten. Schon bei der Geburt des Regisseurs im Jahr 1987 war der konservative Rollback in den USA so ausgeprägt, dass er selbst im Säuglingsalter die Informationen über die portraitierten Aussteiger nur durch den Gang in Biblio- und Videotheken erhalten hätte. Nachdem die Generation der 68er in den Positionen ihrer Väter und Großväter angekommen war, mühte sie sich um ein bereinigtes Bild der Ereignisse, um ein Vorbild, das die dunklen, bedrohlichen (und damit spannenden) Schwingungen und Verzweigungen innerhalb der Bewegung aussparte. Stellt Robert Habeck von der Partei Die Grünen das eine, furchtbar falsch wirkende Ende dieser Entwicklung dar, sitzt auf der gegenüberliegenden Seite der grinsende Geist Charlie Mansons auf dem Thron, den ihm die kollektive Hysterie errichtete. Trevor Simms Zugang zur psychedelischen Seite von Venice Beach erfolgt in rasanter Motorradfahrt, wehrmachtsbehelmt, über beide Ohren zugedröhnt und bis an die Zähne bewaffnet.
Neben dem US-amerikanischen Originaltitel “Misirlou” verweist auch ein Großteil des Surf-Soundtracks wenig verschämt auf “Pulp Fiction” und das exploitative Zitatkino Quentin Tarantinos. Als Nachgeborener montiert Simms Erzählungen, Bilder und Klänge aus liebgewonnenen Büchern, Filmen und Schallplatten, ausgewählt nach dem Grad ihrer Eindrücklichkeit. Er verbindet altbekannte Sensationen miteinander, um deren Durchschlagskraft noch zu erhöhen. Manchmal gelingt ihm dies, vor allem, wenn er nicht versucht einen Gegenwartsbezug herzustellen (im zeitgenössischen Kino stellt der Krieg im Irak meist nur einen wenig erfreulichen Nam-Abklatsch dar), strahlt die durch Digitalkameras eingefangene Gegenwart doch auch ohne sein Zutun schon heftig auf die Szenen des Films ab. “Adrenochrome” verliert viel von seinem Charme, sobald der Zuschauer die Anwesenheit des Hier-und-Jetzts bemerkt, etwa in innerstädtischen Szenen. Potenziert wird dies durch manche Einstellungen, in denen man stärker erkennen kann, mit welch geringem Budget gearbeitet wurde – oft von einem einzigen Mann: Trevor Simms. Exploitatives Autorenkino im wörtlichsten Sinne, gerade oberhalb der Wahrnehmungsgrenze des Amateurfilms. Sich der Tatsache bewusst, dass ein Film wie “Adrenochrome” in den 80ern und 90ern als VHS-Futter in den Videotheken ohne Kinorelease geendet wäre, sorgte der Regisseur schon während der Dreharbeiten für kleinere Skandälchen um den Film (meist ging es dabei um nicht erteilte Drehgenehmigungen oder zerstörtes Equipment), die genug Aufmerksamkeit für einen internationalen Verleih sicherten – und wieder Trevor Simms in den Mittelpunkt stellten, der die Grenzen zwischen seinem Film und seiner Person absichtlich verwischen will.
Simms inszeniert sich als post-traumatisch belasteten Kriegsveteranen in Rambo-Manier, den Halluzinogenen nicht abgeneigt, mit einem Traum vom Leben am Strand zwischen vollbusigen, willigen Gespielinnen und der Freiheit der Straße. Ziemlich amerikanisch, kein Wunder, destilliert er “Adrenochrome” doch aus unzähligen Episoden der US-Gegenkultur. Das eigentliche Adrenochrom wurde bei Versuchen mit Schizophrenie-Patienten entdeckt und hatte den Ruf von körpereigenem LSD, bis sich die Messreihe als schwer fehlerhaft entpuppte. Nun müsste nur noch jemand den Kannibalen in Simms Film beibiegen, dass sie dem Placebo-Effekt aufgesessen sind… 6,5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 26.10.2018)
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Captain Fantastic

Captain Fantastic

(Regie: Matt Ross – USA, 2016)

Ben Cash (Viggo Mortensen) und seine sechs Kinder leben in einer Hütte im Wald. Das Sextett wird nur von dem Vater unterrichtet. Doch dann erreicht sie die Nachricht, dass ihre Mutter verstorben ist. Ben, der nach dem Prinzip lebt, seine Kinder nicht anzulügen, erzählt ihnen, dass seine Frau sich die Pulsadern aufgeschnitten hat. Bei der Beerdigung ist Ben nicht willkommen, dies macht sein Schwiegervater ihm unmissverständlich deutlich. Doch auf Drängen der Kinder macht sich Ben mit seinen Schützlingen auf den Weg. Und dabei prallen im wahrsten Sinne Welten aufeinander.

Auch die Langsameren unter den Zuschauern schärfen ihren Blick für den Hurrapatriotismus mancher Filmproduktionen der USA. Es gehört als durchschnittlicher Filmfan fast schon zum guten Ton, zu erwähnen, mit dem Pathos und Flaggengeschwenke nichts anfangen zu können. Meist bricht sich hier keine Filmkritik Bahn, sondern anti-amerikanische Ressentiments, die von außen an das Kino herangetragen werden. Coca-Cola-Imperialismus und die Schergen der Micky Maus geben freilich ein hervorragendes Ziel ab, trotzdem scheint es weiterhin ein Problem zu sein, den Elefanten im Porzellanladen anzuvisieren und auszuschalten, selbst wenn Mutter Vorsicht gerade außer Haus (und damit nicht in rettender Reichweite der Porzellankiste) weilt. Falls dies irgendwann gelingen sollte, muss man sich in Hollywood keine grauen Haare wachsen lassen, denn es existiert noch ein perfideres Mittel der Diskreditierung alternativer Lebensentwürfe als der große vaterländische Kampf: Die Umarmung des Gegners – wahlweise in Strangulation oder mit einem Messer im Rücken endend.
So geriert sich “Captain Fantastic”, Regiezweitling des Schauspielers Matt Ross, im deutschen Zusatztitel “Einmal Wildnis und zurück” schon die Pointe vorwegnehmend, zunächst als Portrait vom Familienleben fern der Mehrheitsgesellschaft. Viggo Mortensen als Vater Ben lehrt seine Kinderschar das Überleben abseits industrieller Abhängigkeiten, im Einklang mit der Natur. Neben dem archaisch anmutenden Survivaltraining (inklusive dem offenbar unverzichtbaren Mannbarkeitsritual, mit dem der Film eröffnet) steckt er viel Zeit und Energie in die akademische Bildung seiner Nachkommen, es bleibt aber auch Muße, um sich künstlerisch zu betätigen. Hier setzt Regisseur Ross schon die ersten Nadelstiche, wenn er noch recht subtil ausstellt, wie die Familie von Waren der kapitalistischen Gesellschaft abhängig ist, z.B. durch Nutzung hochmoderner Jagdmesser, die sie mit ihren Möglichkeiten auf keinen Fall herstellen könnte. Auch das Betreiben eines Busses (und damit dem Verbrauch von Benzin, großindustriell verarbeitetem Öl) zu Transportzwecken stellt das Selbstverständnis autarker Lebensweise der Familie in Frage.
Immer weitere Zweifel werden gestreut, schließlich in Beziehungsfragen kulminierend, die oft den “Höhepunkt” eines Hollywoodfilms bilden: Der Vater wird durch das Aufbegehren der Söhne und den Selbstmord seiner psychisch erkrankten Frau in Frage gestellt. Eine plumpe Manipulation des Publikums, der Versuch durch emotionale Geiselnahme einen Vorteil zu erringen, die jeder denkende Zuschauer nur als Affront wahrnehmen kann. Verwehrt Ben Kindern und Frau die Teilhabe an der Mehrheitsgesellschaft, verwehrt er ihnen damit auch ihr Lebensglück, behaupten die Standardautoren (das Drehbuch stammt ebenfalls aus der Feder von Matt Ross), für die Lebensglück natürlich deckungsleich mit Liebesglück ist. Zumal Ben eigentlich einen vorbildlichen Umgang mit seinen Kindern pflegt: Er nimmt sie ernst und versucht nach bestem Wissen und Gewissen mit ihren Fragen und Problemen umzugehen, auch wenn ihm dies nicht immer ganz leicht fällt. Diese Szenen sind die Höhepunkte des Films, getragen vor allem durch Viggo Mortensens Spiel, der mit nur wenigen Gesten und Blicken eine präzise Zeichnung des inneren Hin und Hers anfertigt. Wie Ben sich immer für die “Wahrheit” und gegen Moral entscheidet, könnte ein Grund sein, sich “Captain Fantastic” anzuschauen.
Eigentlich müsste man davon ausgehen können, Hollywoodproduktionen (dank Unmengen an Geld, Fachkräften und kleinteiligster Spezialisierung) in handwerklicher Hinsicht mindestens im gehobenen Mittelmaß ansiedeln zu können, die Kinokatastrophen der letzten Jahre und das eher geringe Budget von “Captain Fantastic” lassen mich jedoch ausdrücklich betonen, dass der Film ansprechend gestaltet, fotografiert und geschnitten wurde. Die Musikauswahl passt, die Dialoge sitzen und auch die Darsteller überzeugen. Einzig die immer wieder aufblitzende, aber bis fast zum Schluss mehr schlecht als recht im Schrank versteckte Ideologiewalze mindert das Vergnügen an “Captain Fantastic” erheblich. Es gab selten einen deprimierenderen Schluss im zeitgenössischen Film: Wie Bens Kinder freudig vor ihren verzuckerten Weizenzerealien sitzen und sich darüber freuen, den Schulbus nehmen zu können, hat etwas von lobotomisierter Seligkeit, wie sie selbt die breite Masse abstoßen müsste. Ganz zu schweigen von Bens Gang nach Canossa, Buße tuend für seine Ideale, ja, für sein ganzes Leben! Ein reuiger Sünder, der ein Einsehen hat und den Rest der Gesellschaft über das Glück seiner Kinder entscheiden lässt.
Versteht mich nicht falsch: Ich habe eher wenig Sympathien für das Selbstversorger-Waldläufertum, das hier skizziert wird, vor allem in Zeiten, in denen eine Partei wie Die Grünen ihr wahres Gesicht zeigt und sich als FDP mit Thoreau-Psychose entpuppt. Das ist der kleine Traum vom wilden Schrebergarten einiger Besserverdiener. Umso mehr fuchst mich aber, wenn Bens Familie im Film (wahrscheinlich zu weiteren Diskreditierungszwecken) von sich selbst als Marxisten spricht. Jetzt stehen wir endlich an der Schwelle zur endgültigen Automatisierung der meisten ätzenden Arbeiten und ihr wollt zurück in die Steinzeit? Zu Ackerbau und Viehzucht oder noch eher zum Jagen und Sammeln? Welche Art Marxist soll das bitte sein?
“Captain Fantastic” scheitert vor allem an seinem hässlichen Anspruch auf die durch Konformität behauptete Realität und die hinterfotzige Anscheißerei alternativer Lebensweisen, die auch noch verkürzt und ideologisch falsch verortet dargestellt werden. Zur Unterhaltung bestens geeignet, solange man sein Gehirn am Eingang abgibt. Stick it to the man! (Ja, Matt Ross, du bist gemeint.) 5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 23.08.2018)
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Picking up the Pieces

Picking up the Pieces

(Regie: Dean Tschetter – USA, 1989)

In Pittsburgh geht ein geheimnisvoller Prostituiertenkiller um, der seinen Opfern verschiedenste Körperteile entfernt. Zwei etwas derangierte Cops, Joe und Sweeney, machen sich an die Aufklärung, unterstützt von der Tochter eines verschwundenen Kollegen aus Las Vegas der vor Jahren in einem ähnlichen Fall ermittelte. Bei den Leichen gefundene Hieroglyphenprophezeiungen führen ins ägyptische Viertel, wo der Täter tatsächlich Großes vorbereitet…

Als eine der bemerkenswertesten Fehlentscheidungen der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien stellte sich im Jahr 2004 die Indizierung von “Blood Feast” auf Liste B heraus. Damit war dieser Klassiker zur Begutachtung durch ein Gericht vorgesehen, das über eine mögliche Beschlagnahmung zu bestimmen hatte (und diese auch anordnete). Hier ging es nicht um irgendeinen Horrorfilm, sondern um den Grundstein des Splatterkinos, den Herrschell Gordon Lewis gut 40 Jahre vorher legte. “Blood Feast” birgt in seiner blutrünstigen, humorvollen und günstigen Machart die Blaupause für spätere Filme, die vor allem in den 1980ern als Heimvideo ein sehr großes Publikum finden sollten. Man mag sich gar nicht ausmalen, welche Art besorgter Bürger im zuständigen Gremium hockte und diesem charmanten, aber auch leicht angestaubten Film schwerste Jugendgefährdung attestierte.
“Picking up the Pieces” könnte als Remake von H.G. Lewis Werk durchgehen, die Parallelen in der Geschichte sind sicher kein Zufall. Für den vom Theater stammenden Bühnenbildner Dean Tschetter, dessen erster Ausflug ins Regiefach dies war, ergaben sich durch sein bisheriges Engagement in der Hochkultur einige Schwierigkeiten, das ihm vorgelegte Treatment als Hommage zu erkennen, besaß er doch zu Beginn des Projekts so gut wie keine Genre-Erfahrung. Dementsprechend beeindruckt (um nicht zu sagen schockiert) war er von Filmen wie “The Texas Chainsaw Massacre” und “Evil Dead”, die er sich im Rahmen seiner Recherche in Videotheken ausgeliehen hatte. Im Bewusstsein der Cash-In-Motivation der Produzenten setzte er alles daran seine künstlerischen Standards mit der offenherzigen Darstellung von Sex und Gewalt zu vereinen.
Ende der 80er Jahre waren die heftigsten Filme des Horror-/Splatter-Genres schon abgedreht und viele Streifen dieser Art bewegten sich fort von der bloßen Schock- und Ekelwirkung, hin zur Unterhaltung, so dass auch vermehrt komödiantische Elemente eine Rolle zu spielen begannen. Tschetter greift dies in seinem Script auf und schreibt einige nette Gags um die Polizeiarbeit und den Killer, die in ihrer Tonlage manchmal an die zu diesem Zeitpunkt sehr populären “Die nackte Kanone”-Filme anknüpfen, in die eher düstere Geschichte um einen ägyptischen Kult, der aus Menschenopfern das ewige Leben schaffen möchte. Darüber vergisst er jedoch nicht die wichtigen Eckpfeiler des Splatterfilms und geizt ebenfalls nicht mit ausgefallenen und blutigen Morden, die er in eine morbide, leicht sleazige Atmosphäre bettet, welche in den dunklen Bildern des Films ihren Widerhall findet.
Für die Special FX konnte man eine Koryphäe ihres Fachs engagieren: Niemand geringeres als Tom Savini (“Dawn of the Dead”, “Maniac”, “Friday the 13th”) bastelt Latex, Prothesen und Blutpacks zusammen. Leider wurde seine Arbeit vor dem endgültigen Release durch die MPAA (Filmzensurbehörde der USA) beschnitten, die tiefgreifende Kürzungen für ein R-Rating verlangte. Lediglich in Japan findet man heute noch eine besondere Langfassung, welche einige Morde in längeren Einstellungen aufweist; auch der in Deutschland auf DVD veröffentlichte “Director’s Cut” fußt auf dem zensierten R-Rating-Material. So ist “Picking up the Pieces” nicht die ursprüngliche Splattergranate, weist aber noch genug blutiges Material auf, um Genre-Fans zu erfreuen. (Mich amüsierte vor allem der Rückbezug auf Abel Ferraras “The Driller Killer”, dem von phantasielosen Zuschauern, die auf ihre Realität pochten, die Nutzung einer Bohrmaschine zu Tötungszwecken auf offener Straße, ohne eine einzige Steckdose in Sichtweite, vorgeworfen wurde. Dementsprechend zieht Tschetters Bösewicht einen Handkarren mit Generator hinter sich her. Ein großer Spaß!)
Die Schauspieler fügen sich den überspitzten Charakteren, vor allem die beiden ermittelnden Polizisten, was zu Theatralik und Overacting führt, die einem solchen Unterhaltungsprodukt jedoch angemessen scheinen. Herschell Gordon Lewis selbst nahm die Konstellation zwischen abgebrühtem und dauerkotzendem Cop in seiner Fortsetzung “Blood Feast II: All U Can Eat” wieder auf; eine nette Geste, um die Grenzen zwischen Original und Hommage zu verwischen.
Als Handlanger von kommerziellen Produzenteninteressen wurde schon vielen Regisseuren das Herz gebrochen und auch im Falle von Dean Tschetters erstem Baby sollte es nicht anders laufen: Man fuhrwerkte ihm nicht nur im endgültigen Schnitt dazwischen, er musste auch die Umbenennung des Projekts in “Bloodsucking Pharaohs in Pittsburgh” verkraften, den der Regisseur noch Jahre später als “scheußlichsten Filmtitel aller Zeiten” verschmähte. (Vielleicht tröstet ihn die DVD-Neuauflage unter seinem ursprünglichen Titel “Picking up the Pieces” ein wenig.)
Schließlich kaufte Paramount den Film und veröffentlichte ihn ohne viel Aufhebens auf Video. Über die Jahre sammelte er eine kleine Fangemeinde um sich, die den verschrobenen Charme des Low-Budget-Reißers zu schätzen weiß: Der dreckige, dunkle Look, die blutigen Kills, ein wenig nackte Haut und einige mal mehr, mal minder gelungene Gags sorgen für 90-minütiges Vergnügen. Die Fans jubeln, Erika Mustermann verlässt vorzeitig und würgend den Saal: “Tomato salmon casserole?” 6,5/10

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(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 23.05.2018)
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Und erlöse uns nicht von dem Bösen

Und erlöse uns nicht von dem Bösen

(Regie: Joël Séria – Frankreich, 1971)

Die Klosterschülerinnen Lore (Catherine Wagener) und Anne (Jeanne Goupil) sind beste Freundinnen und verbringen gemeinsam die Sommerferien. Doch Unternehmungen wie Radfahren sind nur auf den ersten Blick die Hauptbeschäftigung der beiden jungen Mädchen. Lore und Anne haben sich dem Teufel verschrieben und setzen nun alles daran, ihr Leben mit möglichst vielen schlechten Taten zu füllen…

Der erste Tag nach den Sommerferien beginnt in Schulklassen oft mit dem Austausch von Eindrücken der vergangenen freien Tage und Wochen. Vom Lehrer angeleitet, erzählen die Schüler von ihren Reisen mit Familie und Freunden oder berichten von außergewöhnlichen Ereignissen aus Balkonien. Im Falle von Anne und Lore wird nur noch Annes Tagebuch Einblicke in die letzten Sommermonate der beiden Schulfreundinnen geben können. In einem finalen Akt der Selbstbehauptung gegenüber ihrer trostlosen Umwelt, entzünden sie die jungfräulich weißen Kleidchen, die man ihnen angelegt hat, nicht nur, um sich selbst im Feuer zu reinigen, sondern auch, um dem Daseinskerker der Verwachsenen zu entgehen und einen spiritusgetränkten Neustart in die Freiheit zu wagen.
Ein solch radikaler Schritt erwächst aus den Leiden einer christlichen Erziehung in katholischen Einrichtungen, die Regisseur Joël Séria als Heranwachsender erdulden musste, ähnlich wie Österreichs abgründigster Filmemacher Ulrich Seidl. Kein Wunder, dass “Mais ne nous délivrez pas du mal” (Originaltitel) die grausamen und schwachsinnigen Riten des Katholizismus mit Vergnügen durch den Dreck zieht und sich über Priester, Nonnen und weiteres Erfüllungsgesindel des Wortes Gottes lustig macht. Séria hat seinem Vater nie verziehen, dass er seine frühe Jugend in Gefängnissen dieser Art fristen musste, obwohl dieser als Kriegsgefangener nur zu gut wusste, welche lebensmutauslöschende Wirkung eine solche Umgebung begünstigt.
So meint man, in der den Film eröffnenden Einstellung, den alle Sinne vernebelnden Gestank des Weihrauchs in der Nase zu spüren, während die Kamera auf den Behälter des heiligen Krauts zufährt und im Hintergrund bedrohliche Orgelmusik die Demutsklaviatur in Erinnerung ruft, die ein Gottesdienst durch Architektur, Liturgie und Musik so perfide bedient. Er ist der HERR, dein Gott und du sollst keine anderen Götter haben neben ihm.
Anne und Lore zeigen wenig Respekt für den eifersüchtigen Größenwahnsinnigen, dem man prunkvolle Kathedralen baute, sie entfernen sich im Laufe ihrer einsetzenden Pubertät von der Herde, um herauszufinden, warum die Gemeindemitglieder sich den Spaß am Sex verderben lassen und sich grundlos einem Willen unterwerfen, der in seiner machtgeilen Kleingeistigkeit bemerkenswert einfach zu durchschauen ist. Ihre Verweigerungshaltung wird von den Künsten befeuert, besser gesagt durch Werke von Lautréamont (“Die Gesänge des Maldoror”) und Baudelaire (“Die Blumen des Bösen”), die in Totalopposition zur Kirche mündet: In einer selbstgestalteten Zeremonie, welche die Schändung von einhundert Hostien beinhaltet, verheiraten sich die Backfische mit Satan. Im weiteren Verlauf nutzen sie ihre knospenden, weiblichen Reize, um den Männern des Dorfes die Köpfe zu verdrehen. Die Darstellerinnen von Anne (Jeanne Goupil, liiert mit Joël Séria) und Lore (Catherine Wagener) waren zur Zeit des Drehs schon Twens, sehen in “Und erlöse uns nicht von dem Bösen” aber keinen Tag älter als 14 aus, was zur provokanten Atmosphäre des Films beiträgt. Sie bringen die Herren des Dorfes um ihre mühsame Selbstbeherrschung. Eine Maske, die stets fällt und die wertlose Sexualmoral des Christentums enthüllt.
Gleichzeitig präsentiert uns Sérias Film den Sommer zweier Mädchen, deren Freundschaft von einem leichten Machtgefälle bestimmt wird. Anne scheint intelligenter und hemmungsloser als Lore, sie treibt das Duo zu immer weiteren Taten (z.B. der Tötung von Haustieren) an. Dabei behält sie nicht immer den Überblick und die Kontrolle, woraus einige sehr unangenehme Erfahrungen für Lore entstehen, aber auch die wunderbare Ambivalenz des Films: Die Mädchen sind nicht böse und schon gar nicht vom rechten Weg abgekommen, sondern erschließen sich ihre Möglichkeiten abseits ausgetretener Pfade, nicht ohne hin und wieder zu scheitern. Sobald sich die erwachsenen Dorfbewohner der Gewalt bedienen, ihres körperlichen Vorteils, stecken Anne und Lore in Schwierigkeiten.
Neben den Neckereien, der Konfrontation und dem Provokanten entfalten sich hitzeglühende Bilder eines Sommers auf dem Land, die pastoralen Postkartenmotiven entspringen könnten, im Grunde aber auf die Künstlichkeit der Idylle hinweisen. Das christliche Zusammenleben ist eine behauptete Fassade, zwar in Steintafeln gemeißelt, aber doch dem verfälschenden Licht der Erinnerung preisgegeben, die in etwa den Wert einer Ansichtskarte besitzt. Anne und Lore als Lebende unter den auf Erlösung wartenden Toten, die jeden Akt für bare Münze nehmen, wenn er in die richtige Kulisse gestellt wird. Eindrucksvoll geschildert in den Minuten des Finales, wenn die vermeintlich sichere Umgebung einer Schulaufführung den Großteil der Erwachsenen nicht bemerken lässt, was gerade vor ihren Augen geschieht.
Da man 2018 immer noch diskutieren muss, wo die rückständigen Folterknechte des Christentums ihre Hoheitszeichen befestigen dürfen oder nicht, scheint es schon fast normal, dass “Und erlöse uns nicht von dem Bösen” bei seinem Erscheinen in Frankreich wegen blasphemischer Elemente verboten und der Export in andere Länder untersagt wurde. Staatliche Stellen hassen autoritätszersetzende Filme mit Leidenschaft und nehmen nur zu gerne die Komplizenschaft mit faschistoiden Kulten in Kauf, um Hierarchien zu zementieren. Eltern schlafen ruhiger, wenn ihren Kindern mit den Abenteuern von “Bibi und Tina” (auf Amadeus und Sabrina) der Kopf gewaschen wird, um wertvolle Mitglieder der Gemeinschaft zu werden. Ich freue mich hingegen über jeden Film wie diesen oder “Tausendschönchen – Sedmikrásky”, der einem wirklich die Wahl lässt, ohne durch die Hintertür eine weitere engstirnige Sicht auf die Welt zu propagieren. 8/10

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(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 03.05.2018)
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Der Umleger

Der Umleger

(Regie: Charles B. Pierce – USA, 1976)

In dem kleinen Städtchen Texarkana geht im Frühjahr 1946 ein geheimnisvoller Killer mit einem Mehlsack über dem Kopf um, der vorzugsweise Frauen angreift und dann brutal erschießt oder mit Stichwaffen ermordet. Die Police Officers Morales (Ben Johnson) und Ramsey (Andrew Prine) setzen alles daran, den Unbekannten zu fassen, bevor weitere Morde geschehen…

Gemeinhin kann man sich in Horrorfilmkreisen auf Mario Bavas “Reazione a catena” als aus dem Giallo entstandenen Proto-Slasher einigen. Anstoß zu einem der populärsten Filmgenres der frühen 1980er Jahre, so einflussreich, dass Regisseur Sean S. Cunningham eine komplette Todessequenz daraus in seinem Klassiker “Friday the 13th” zitierte. Es ist die Figur des jungen Kevin Bacon, deren Kehle mit einem Pfeil durchbohrt wird und ans Bett gepinnt stirbt; Bild für Bild wie in Bavas knapp zehn Jahre vorher veröffentlichter, blutrünstiger und sehr stylishen Vision des Zehn-Kleine-Negerlein-Prinzips. Die Faktenlage wird unklarer, je näher man sich John Carpenters allgemein als Startschuss des Slasherfilms angesehenen “Halloween” im Jahr 1978 nähert. Stark vereinfacht liegt hier der Ursprung des maskierten Killers, der es vor allem auf Heranwachsende aus den Vor- und Kleinstädten abgesehen hat. Die ganze Wahrheit ist dies indes nicht. Schon Jahre vorher handhabten US-amerikanische und kanadische Filmproduktionen sowohl Sujets als auch Stilmittel des Slashers; etwa in Bob Clarks “Black Christmas” aus dem Jahre 1974, im knallhart-ruralen “Savage Weekend” (erst 1979 veröffentlicht, aber schon 1976 fertiggestellt) oder eben auch in “Der Umleger”, dessen knalltütiger deutscher Verleihtitel einen anderen Film vermuten lässt als das englischsprachige Original “The Town That Dreaded Sundown”.
Die reale Mordserie um den “Phantom Killer” von Texarkana, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, sorgt für die wahren Begebenheiten der Hintergrundgeschichte, die Charles B. Pierce in seiner 400.000 Dollar teuren Independentproduktion frei ausgestaltet, auch wenn der nüchterne Ton des Voice-Overs einen dokumentarischen Anstrich antäuscht, der in den Tötungsszenen vollkommen gebrochen wird.
So wie Texarkana zwei unabhängige Städte an der Grenze zwischen Texas und Arkansas des gleichen Namens sind, zerfällt auch “Der Umleger” in zwei unterschiedliche Teile. Dort findet man einerseits die beklemmenden, irreal ausgestalteten Streifzüge des Phantoms, roh und brutal, aber visuell ansprechend in Szene gesetzt, andererseits die Polizeiarbeit und das Leben in der Stadt, mehr den gängigen Unterhaltungskonventionen verpflichtet. Auf die verstörenden Morde folgt stets ein komödiantischer Einschub um den Polizeisergeant; gespielt vom Regisseur, der die Gewalt auf recht plumpe Art und Weise konsumierbar machen soll.
Interessant erscheinen mir vor allem die Szenen, welche die Ermordung der Opfer zeigen, im Fan-Jargon “Kills” genannt. Sind diese in frühen Genrebeiträgen wie “Halloween” noch unspektakulär und meist an Hieb- und Stichwaffen gebunden, findet man in “Der Umleger” schon den Einfallsreichtum, der die besseren Werke der Slasher-Welle kennzeichnet. Auch wenn in Pierces Film standardmäßig mit dem Revolver umgelegt wird, verfehlen die Morde nicht ihre Wirkung, erst recht nicht, wenn der Killer sich aus einem Blechblasinstrument und einem Jagdmesser ein sadistisches Spielzeug konstruiert. Zudem trägt er eine Maske, atmet dadurch schwer und bewegt sich ähnlich wie Jason Voorhees in “Friday the 13th, Part II”: Zuerst den Kopf, dann den Rest des Körpers. “The Town That Dreaded Sundown” etabliert ikonische Slasherstandards ein halbes Jahrzehnt vor deren endgültiger Popularisierung.
Ebenso lässt der unaufgeklärte Kriminalfall ein für Fortsetzungen offenes Ende zu, wie sie typisch für Slasher scheinen, im Umfeld von True-Crime-Adaptionen hingegen als unbefriedigend gelten. Man denke an die Zodiac-Morde in den 1960er Jahren oder ganz klassisch an die Taten Jack the Rippers, deren Verfilmungen sich oft eines Kniffs bedienen, um dem Publikum einen Täter präsentieren zu können.
“Der Umleger” endet sehr amerikanisch in einer mit Bluthunden geführten Hetzjagd durch die Sümpfe von Arkansas, schwelgt kurzzeitig in Western-Einstellungen, die aus der schönen Zeitlupensequenz der Schießerei kurz zuvor überlappen, welche den Geist von Sam Peckinpahs “The Wild Bunch” atmet, um im finalen Shot eine Pointe in die Dunkelheit des Lichtspielsaals zu entlassen, die wenige Jahre später in Bigas Lunas “Angustia – Im Augenblick der Angst” auf die Spitze getrieben wird: Der Killer steht in der Schlange vor dem Kino an.
Für den gelegentlichen Horrorfilmgenuss mag “The Town That Dreaded Sundown” heute nicht mehr spektakulär genug erscheinen, für jeden Genrefreund und Filminteressierten erweist sich dieser Film aber als wichtiger “missing link” zwischen Mario Bavas Initialisierung und John Carpenters und Sean S. Cunninghams “Vollendung” des Slasher-Films, zumal erst 2015 (aufgrund des Kinostarts eines Remakes) die lange überfälligen DVD- und Blu-ray-Veröffentlichungen in ungekürzter Form erschienen. 7/10

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(Zuerst veröffentlicht bei http:/hhp-hangover.de am 13.04.2018)
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Laurin

Laurin

(Regie: Robert Sigl – Deutschland/Ungarn, 1988)

Ein idyllischer Hafenort im Jahre 1901. Der Tod in der Gestalt eines schwarzen Mannes geht um. Kleine Jungen verschwinden und kehren nie wieder zurück. Das Dorf lebt in Angst. Als eines Tages eine junge Frau mysteriös ums Leben kommt, scheint alle Hoffnung verloren. Nur die Tochter der Getöteten, Laurin, scheint sich dem ganzen Spuk zu stellen. Mit Hilfe ihres “zweiten Gesichts” versucht sie die Rätsel um den schwarzen Mann aufzuklären.

Die Idee und die ganze Geschichte zu “Laurin” entwickelte Regisseur Robert Sigl aus einem Bild seiner kindlichen Vorstellungswelt, einem albtraumartigen Gedankenblitz, der ein kurzes Schlaglicht auf eine kapuzenbemantelte Frau wirft, die in einer sturmtosenden Gewitternacht über einen verfallenen Friedhof eilt. Mehr ein Stimmungseindruck als der Beginn einer Erzählung, folgt hieraus das düstere Märchen über ein seherisch begabtes Mädchen an der Schwelle zur Pubertät, deren Sinne für das Morbide durch den Tod der Mutter und die Abwesenheit des Vaters geschärft sind. Letztlich sorgt sie für die Entdeckung und Bestrafung eines Knabenmörders, der wie der “Fänger im Roggen” heranwachsende Jungs vor dem Leid schützen will, das ihm sein eigener Vater, der Dorfpfarrer, in der Kindheit angetan hat.
Neben den tiefenpsychologischen und manchmal latent homo-erotischen Vater-Sohn-Konflikten, die sich unterschwellig durch den Film ziehen, glänzt an der Oberfläche eine Rotkäppchen-Variante, die sich ebenso von den Schauergeschichten eines E.T.A. Hoffmann inspirieren lässt, wie sie auch den “gothic horror” der britischen Hammer-Studios für sich nutzt, um schließlich in den stark stilisierten Bildwelten Mario Bavas aufzugehen.
Ein Filmprojekt, welches einem suggestiven Einzelbild entspringt, darf nicht im Nacherzählen von gängigen Topoi versanden und Robert Sigl erweist sich als talentiert und einfallsreich genug, um “Laurin” vom Sehen her auf die Füße zu stellen. Der Großteil der Einstellungen kann quasi als Gemälde für sich stehen und dient nicht als bloßes Abbild einer Handlungseinheit. Manchmal verstärkt Sigl den gemäldeartigen Effekt, indem er die Bewegungen innerhalb der Kadrierung sehr zurücknimmt oder sie zu Beginn der Szene pausieren lässt. Eine Abfolge von detailgenau inszenierten Tableaux ergießt sich über den Zeitraum, den “Laurin” auf der Leinwand einnimmt, manchmal unterbrochen durch Nahaufnahmen, die einzelne Gegenstände mit eigensinnigem Leben aufzuladen scheinen.
Mit Mitte 20 und gerade frisch von der Filmhochschule befindet sich Sigl in seinen besten Momenten auf Augenhöhe mit Vorbildern wie Dario Argento, ohne jedoch deren augenscheinliches Interesse an fetischisierter Gewalt zu teilen. Ironischerweise bezeichneten Arthaus-Kreise “Laurin” zur Zeit seiner ersten Aufführungen als “blutrünstiges Machwerk für ein Nischenpublikum”, obwohl der Film, bis auf ein kurzes, moderat splatteriges Finale, der Gewalt keine besondere Rolle zugesteht. Vieles spricht also für einen Dünkel der deutschen Filmschaffenden, die die Qualitäten des Genrefilms, besonders des Horror- oder Fantasyfilms, nicht auszumachen wissen. Sigl beklagt diese heutzutage immer noch vorhandene Einstellung in Interviews, spricht ansonsten aber mit erstaunlicher Langmut über seine heftigst torpedierte künstlerische Karriere. Man enthielt ihm den “Deutschen Filmpreis” mit der Begründung vor, sein Debüt sei nicht in Deutschland gedreht und “weise überhaupt zu viele byzantinische Gesichter auf”.
Aus Kostengründen verlegte man die Produktion von “Laurin” nach Ungarn, wo man auf 35mm-Film und mit einheimischen Schauspielern drehte. Ursprünglich an der Nordsee angesiedelt, verstärkt die wie aus der Zeit gefallene Wirkung der ungarischen Dörfer, Gebäude und Naturansichten die Jahrhundertwendeatmosphäre und sorgt für den nötigen, verwunschenen Märchenton, kombiniert mit der robusten Ruralität, die man an der deutschen Küste nie gefunden hätte.
DIe ungarischen Darsteller empfehlen sich durch die Bank mit ihrem Spiel (besonders Hauptdarstellerin Dóra Szinetár, deren Antlitz wunderbar das Vexierspiel zwischen Kind und junger Frau ausdrückt), obwohl einige die englischsprachigen Dialoge phonetisch lernen und imitieren mussten, was der außerweltlichen Wirkung von “Laurin” jedoch eher nützt, denn schadet.
“Laurin” gehört eindeutig zu den Großtaten des neueren deutschen Films, wie peinlich wirkt da die Information, dass man Robert Sigl bis heute kein Projekt nach eigener Vorlage mehr finanzierte, sondern ihm Auftragsarbeiten fürs internationale TV zuschusterte (wenn’s besser lief) oder er gleich an Krimiquatsch für ein Idiotenpublikum wie “Alarm für Cobra 11”, “Tatort” oder “Der Ermittler” verschwendet wurde – nicht ohne hin und wieder diesen Produktionen seinen Stempel aufzudrücken. Selbst im Umfeld dieser Tristesse wirkt Sigls Gespür für brillant bebildertes Genrekino noch so eigen und aufrührend, dass die BILD-Zeitung eine (leider erfolgreiche) Kampagne gegen einen seiner Saarbrücker Tatorte führte, die zu Schnittauflagen seitens des Senders führten, einen Tag vor der angesetzten Ausstrahlung.
Kein Grund sich den Abend von Provinzfernsehfürsten und der Journaille verderben zu lassen, denn die Jungs von BILDSTÖRUNG, einem fantastischen Kölner Filmlabel, haben “Laurin” für die Blu-ray-Veröffentlichung in digital restaurierter 2K-Abtastung vom eigentlich verschollen geglaubten Originalnegativ aus der Versenkung geholt. So exquisit wie dort, sah Robert Sigls erster Film wahrscheinlich höchstens bei seiner Premiere aus: Das bava’eske Farbenspiel kommt in der kargen Umgebung der ungarischen Dörfer erst richtig zur Geltung. Hungarian Gothic, wenn man so will. Ein prächtiges Kleinod, das im Deutschen Film seinesgleichen sucht. 9/10

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(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-partisan.de am 16.03.2018)
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Izbavitelj – Der Rattengott

Izbavitelj – Der Rattengott

(Regie: Krsto Papić – Jugoslawien, 1976)

Die Weltwirtschaftskrise hat Jugoslawien fest im Griff. Auch dem Philosophiestudenten Ivan geht es nicht gut, als er von seiner Vermieterin auf die Straße gesetzt wird. Als er im Stadtpark auf einer Bank übernachten will, zeigt ihm der Parkwächter, ein alter Bekannter, ein leerstehendes Gebäude. Dort kommt er hinter eine Verschwörung der Rattenmenschen, die finstere Absichten hegen. Von nun an schwebt Ivan in Lebensgefahr, doch findet er Unterstützung bei Professor Boscovic und seiner hübschen Tochter Sonja. Wird es ihnen gelingen, die drohende Machtübernahme durch die Rattenmenschen zu verhindern?

In letzter Zeit kann man vermehrt beobachten, wie alle Warnungen vor keimendem Faschismus leichtsinnig in den Wind geschlagen werden. Zwar wurde er im Schulunterricht seziert, in Romanen breitgetreten, in jeder erdenklichen Form auf die Bühne gebracht, man rockte sogar gegen Rechts, aber selbst die wirklich guten Kinofilme zum Thema scheinen das Publikum nicht zu erreichen – und wenn, dann nur jenen Teil, der aus eigenem Antrieb eine Sensibilität für den Hang der Volksmassen zu gleichgeschalteter Hetze und der Lust am Lynchen entwickelt.
Der 2013 verstorbene Regisseur Krsto Papić trägt mit seiner Politparabel “Der Rattenkönig” (nach einer Erzählung des russischen Schrifstellers Alexander Grin) also Eulen nach Athen und scheint eher auf die Probleme im sozialistischen Jugoslawien der 1970er hinweisen zu wollen. Eine durchaus am Film belegbare Lesart, welche die allgemeinere Deutung mit Rückbezug zum (deutschen) Faschismus jedoch kaum überschattet, weil sich gerade auf der Bildebene eindeutige Hinweise finden lassen: Die Schergen des Rattenheilands (“The Rat Saviour” lautet der englische Titel) tragen martialische schwarze Uniformen im Stil der SS, die Tische des großen Rattenbanketts bilden aus der Vogelperspektive gesehen ein noch zu vervollständigendes Hakenkreuz – diese Gesellschaft befindet sich schon auf halbem Wege in die Niederungen des Faschismus. Irritierend wirkt dabei nur der Rückgriff auf den Schädlingsbegriff der Nazis, wenn die Menschenfeinde in Rattenform ihre Feste in einer verlassenen Zentralbank (!) feiern. Vielleicht dreht Papić den Spieß hier einfach um, vielleicht nutzt er auch nur den schlechten Ruf der Ratte, den diese seit jeher in Europa ins Fell gebrannt trägt.
Gleich zu Beginn besteht die Hauptfigur mit Augenmerk auf ihr eigenes Buch darauf, “Izbavitelj” (Originaltitel) sei keine Gruselmär über Rattenmenschen, sondern eine Metapher. Das Buch in der Handlung zeichnet ein Bild der Bürokratie, Papićs Film eine Aufnahme der infizierten Gesellschaft im Moment der irreversiblen Wiederkehr zu faschistischen Strukturen. Alle Apparate des öffentlichen Lebens sind schon infiziert und infiltriert, das Interesse an Wissenschaft und Kunst erlahmt, die Bevölkerung verhält sich aggressiv gegenüber Intellektuellen und Wissenschaftlern, deren Arbeit weder bezahlt noch gewürdigt wird – dabei erkennen sie als einzige die aufziehende Gefahr.
Zum Glück lässt Papić es nicht dabei bewenden und verhilft schemenhaften Bruchstücken aus dem Werk Franz Kafkas zu kurzen Auftritten, die wie böse Omen in der dunklen Welt des Rattengottes wabern. Kompakte Schlieren des Schreckens, die im Verbund mit der stimmungsvollen, düsteren Fotografie den Horrorton des Filmes etablieren.
Schlicht bemerkenswert ist die Ökonomie der Einstellungen und Spezialeffekte, die im Gegensatz zum sich damals anbahnenden Trend nicht im hysterischen Pomp des Blutvergießens versinkt, sondern um die Wirkung ausgesuchter Bilder weiß, die nicht ausgewalzt werden, ja, kaum länger als nötig ihren Platz einnehmen. So verwundert die Freigabe der FSK schon, die “Izbavitelj” als einen Film für Erwachsene sieht und ein “Ab 18” erteilte. Vielleicht gefiel der pessimistische Ton nicht oder man stieß sich an den Sexszenen, wahrscheinlich reagierte man einfach nur empfindlich auf ein Thema, das auch die Büttel der Zensur (ob nun staatlich oder kommerziell-“freiwillig”) betrifft.
Ebenso effizient unterstützt die Musik von Brane Živković das abgebildete Halbdunkel und bemüht sich nur wichtige Akzente zu setzen, ohne die Tonspur mit Melodien und Geräusch zu überladen. Besonders im deutschen Vorspann gelingt dies, der für die Ausstrahlung durch das ZDF in den frühen 1980er Jahren erstellt wurde und schaurige Zeichnungen aufweist, die in der etwas längeren kroatischen Fassung (1977 Jugoslawiens Beitrag zu den Oscars) des Filmes fehlen. Es sollte bis zur Jahrtausendwende dauern, ehe “Der Rattenkönig” erneut gesendet wurde und dann nochmal einige Zeit, bevor der Film seine DVD-Veröffentlichung erlebte.
Den Reichtum der Kinoproduktionen der sozialistischen Länder konnte man im Westen jahrelang nur erahnen, glücklicherweise wurden im Laufe des Siegeszugs der DVD etliche Perlen in hervorragender Qualität wiederveröffentlicht, die dem Klischeebild von unterentwickelten Arbeiter-und-Bauern-Staaten widersprechen, deren Künstler sich ausschließlich mit dem Stumpfsinn der Zensur und fehlenden Produktionsmitteln herumschlagen mussten.
Das Kino hinter dem Eisernen Vorhang besitzt oft magisch wirkende Qualitäten, die Intellekt und Emotion vereinen, ohne das Eine gegen das Andere auszuspielen. Krsto Papićs “Der Rattengott” mag kein Meisterwerk sein, besitzt aber genügend dieser Vorzüge, um die Missachtung, mit der er weithin gestraft wird, unverständlich erscheinen zu lassen.
Gerade heute wieder ein wichtiger Film, aber was nützt die Mühe, wenn die Freunde der Realität, die den “Systemmedien” nur soweit trauen, wie sie sie schmeißen können und im Facebookpulk ihre Regression zur Menschenratte behende vorantreiben, einfach nicht zuhören? Der Ruf nach nationaler Identität und Volksgemeinschaft endet zwangsläufig in einem Rattenkönig. 7,5/10

Ausschnitt

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 13.02.2018)
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Stung – Sie werden dich stechen!

Stung – Sie werden dich stechen!

(Regie: Benni Diez – Deutschland/USA, 2015)

Mrs. Perch veranstaltet ihre alljährliche Gartenparty in ihrer abgelegenen Villa auf dem Land. Eigentlich ist alles wie immer, doch dann läuft der illegal importierte Pflanzendünger aus und eine ansässige Insektenspezies verwandelt sich in zwei Meter große Killerwespen. Klar, dass diese Mutationen nicht lange vor der Festgesellschaft Halt machen. Nun liegt es an den Catering-Mitarbeitern Paul (Matt O’Leary) und Julia (Jessica Cook) die angreifenden Bestien aufzuhalten.

Praktisch seit Beginn des Horrorfilms existiert die Nebensparte des “creature horror”, welche schon seit Jahrzehnten nicht mehr solche kommerziellen Höhen wie mit Steven Spielbergs “Jaws” erreichte, aber eine eingeschworene und treue Fangemeinde versammelt, die sich oft mit lieblosen Schnellschüssen für den Heimvideomarkt zufrieden geben muss. Dies geht soweit, dass sich in den letzten Jahren eine scheinbar endlose Serie von ultra-trashigen Haifilmen etablierte, die aufgrund ihrer unterdurchschnittlichen Schauwerte geliebt werden, wenn auch meist nur ironisch.
“Stung” von Regisseur Benni Diez schlägt da in eine andere Kerbe, sein Monsterfilm bezieht die Inspiration nicht aus dem Tierhorror, sondern bedient sich eher bei den “Alien”-Filmen, genauer gesagt bei “Aliens”, der von mir eher wenig geschätzten Action-Interpretation des Themas durch James Cameron. Vermutlich keine schlechte Wahl, wenn man wie Diez aus der Special-FX-Ecke kommt und sein Regiedebüt abliefert. Zuvor arbeitete er an den Visual Effects für Lars von Triers “Melancholia” – wahrlich keine schlechte Referenz.
Und so startet “Stung” mit überdurchschnittlicher Kameraarbeit, die etwaige Verwandtschaftsverhältnisse zu den digitalen Schrottproduktionen im Genre leugnet. Keine große Leistung, bedenkt man die künstlerischen Niederungen, in denen hier sonst gearbeitet wird, aber allemal erfreulich. Vor allem, weil man auch die Charaktere lebendig gestaltet und das Setting flott etabliert, bevor es dann zur Sache geht. (Wie in früheren Filmen dieser Horrorvariante, liegt die Ursache der amoklaufenden Fauna in Verbrechen der Oberschicht an der Natur, hier dem Beimengen von Wachstumshormonen in den Rasendünger aus dem örtlichen Baumarkt. Manche Dinge ändern sich nie.)
Ein “creature feature” steht und fällt jedoch mit seinen Effekten; in aller Regel stellen sich zwei Fragen: Wie wirkt die Kreatur auf der Leinwand? Und wie geben ihre Opfer den Löffel ab? Hier gibt es durchaus positive Antworten zu vermelden, denn während des größten Teils des Films behilft man sich mit echten Bauten und handgemachten Bluteffekten, die fachmännisch in Szene gesetzt werden, ganz im Stil der Klassiker aus den 1970er und 1980er Jahren. Überraschend wirken eher die lahmen CGI-Kreationen. Eigentlich ein grober Fauxpas für Benni Diez, der sich seines Könnens in diesem Bereich rühmt, aber altbackene Animationen auffährt, die während der eher nervigen Actionsequenz zum Schluss von “Stung” besonders ins Auge fallen.
Ansonsten sorgt das Thema (mannshohe Killerwespen!) von sich aus für den nötigen Ekel, der durch blutige Fress- und Schlüpfszenen der Wespen forciert und zum Schluss noch mit Braindead’schem Mutter-Sohn-Konflikt unterfüttert wird. Diez bedient sich geschickt bei den bekannten Genrezutaten und bastelt seine eigene Version der Dinge, ohne auch nur einen Gedanken an Innovation zu verschwenden. Dafür besitzt er ein sicheres Händchen, um den Wechsel zwischen drastischen Horrorszenen und Humoreinschüben zu timen, welche viel dazu beitragen, den Unterhaltungswert über 90 Minuten nicht einbrechen zu lassen.
Als Fan hat es Diez sicher gefreut, Lance Henriksen (“Aliens”) für eine Nebenrolle zu verpflichten, die Hauptrollen übernehmen Matt O’Leary (“In Time”, “Death Sentence”) und Jessica Cook. Die US-amerikanischen Schauspieler täuschen fast darüber hinweg, dass “Stung” eine deutsche Produktion ist, die nicht nur in Brandenburg gedreht wurde, sondern auch eine komplett deutsche Crew beschäftigte. Ungewöhnlich, noch dazu für einen Horrorfilm, denn Genrekino aus Deutschland muss man wirklich mit der Lupe suchen, wenn es sich nicht um Amateurproduktionen handelt.
Wer hier das nächste große Horrording erwartet, wird unverrichteter Dinge von dannen ziehen müssen; wer hingegen genreaffinen Spaß für die nächsten anderthalb Stunden sucht, liegt mit “Stung” goldrichtig. Das Brandenburg Wespen Massaker grinst höhnisch über Menschen, die ihr Glas mit einem Bierfilz abdecken. Endlich sind Wespen so fies wie ihr Ruf. Seien Sie hysterisch! (Die Tagline des geschmackvoll gestalteten Blu-ray-Covers “Sie werden dich stechen!” dürfte die Untertreibung des Jahrzehnts sein.) 6/10

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(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 24.01.2018)
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Arrival

Arrival

(Regie: Denis Villeneuve – USA, 2016)

An zwölf Stellen des Planeten Erde sind gewaltige muschelförmige Raumschiffe außerirdischer Besucher aufgetaucht und schweben aktionslos in der Landschaft. Obwohl die Aliens alle 18 Stunden einen Eingang zwecks Kommunikationsaustausch öffnen, können die gängigen Verfahren keinen verständlichen Kontakt hervorbringen. So verfällt das US-Militär unter Leitung von Colonel Weber (Forest Whitaker) auf die Idee, die Linguistin Louise Banks (Amy Adams) mit dem Mathematiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) zu paaren, um Verständnis für die Absichten der Aliens zu entwickeln, die keinen linearen Zeitbegriff kennen und in leicht verwischten Zeichnungen zu kommunizieren scheinen. Doch die vielen vergeblichen Versuche machen andere Nationen nervös, die sich anschicken, gegen die Besucher aggressiv vorzugehen…

Viele der Filme von Denis Villeneuve zeichnen sich durch die Wiederbelebung gängiger Filmtopoi aus, die schon verbraucht und ausgebrannt erschienen, bis der kanadische Regisseur sie aus einem neuen, leicht veränderten Blickwinkel betrachtete und dem vermeintlich ausgelutschten Stoff neue Seiten abgewinnen konnte.
Die Publikumserfolge “Prisoners” und “Sicario” sind zwei gute Beispiele, wie man aus Standardsituationen des Thrillers und des Actionfilms ein neues Garn spinnt, das nicht nur die Geschichten verändert, sondern auch den emotionalen und intellektuellen Zugang erfrischend intensiviert.
So löst auch die Hintergrundstory zu “Arrival” erst mal einen Flashback aus, der mich zurück zu zwei Filmerlebnissen meiner Kindheit führt. Als Vorschüler hatte ich eine leicht traumatische Begegnung mit “E.T.”, dessen Kontaminationssequenz mich längere Zeit in Albträumen heimsuchte und durch die klobigen, roten Schutzanzüge in “Arrival” reaktiviert wurde. Weiterhin das Aufeinandertreffen der Recken in “Independence Day” mit einem Wissenschaftlerhälse-zerdrückenden Alien, das urplötzlich aus dem Nebel hinter einer Sicherheitsglaswand auftaucht. Während E.T. nur ein Schusselchen war, das beim interstellaren Picknick Raum und Zeit vergessen hatte, wollten die Tentakel in “Independence Day” die Vernichtung der Menschheit, was der Prinz von Bel-Air nicht ohne Weiteres auf sich sitzen lassen konnte – Adel verpflichtet.
In Villeneuves zehntem Langfilm müssen sich die Außerirdischen keine antropomorphe Verniedlichung gefallen lassen, sie gleichen eher den Schleimbolzen aus Roland Emmerichs überpatriotischem Kawummspektakel, zeigen aber eine Intelligenz, die sowohl den zerknautschten Nachhausetelefonierer als auch die Weltraum-Warlords weit in den Schatten stellt. Villeneuve und sein Team waren gut beraten, ihre Geschichte um die Kontaktaufnahme zwischen völlig unterschiedlichen Wesen nicht nur oberflächlich in Szene zu setzen, sondern aufgrund der Bedürfnisse der Kurzgeschichtenvorlage von Ted Chiang und des Drehbuchs eine Sprache zu entwickeln, die möglichst wenig Gemeinsamkeiten mit menschlicher Kommunikation aufweist. Idealerweise in einer sehr visuellen Form, die für das Kino geeignet scheint.
Inspirieren ließ man sich von den Mustern der Tintenkleckse der Tintenfische, die diese bei Gefahr ausstoßen und entfernt an die Abdrücke von Kaffeetassen erinnern. Die semantischen Modelle mit ihrer eigenen inneren Logik stapelten sich auf dem Tisch des Regisseurs, der die Entwicklung der Aliensprache für einen der faszinierendsten Teilaspekte der Filmproduktion hält. Aus der Laienperspektive gut gelöst, wünschte ich mir im Verlauf des Films dennoch, die Entschlüsselung der Sprache wäre ausführlicher erläutert (und vor allem auf die Leinwand gebracht) worden, viele der betreffenden Szenen scheinen gerafft und auf den kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergebrochen, wahrscheinlich auch, um dem Publikum die Überlänge zu ersparen.
Die kieselförmigen Raumschiffe schweben wie schwarze Monolithen über der Landschaft, konstruiert aus einem erdfremden Material, ausgestattet mit fortgeschrittener Technologie, die etwa die Schwerkraft mühelos beeinflussen kann. Im Vergleich zu anderen Sci-Fi-Filmen wirken die UFOs weniger dem Traum eines Techniknerds entsprungen, der vor allem Glas, Metall und blinkende Lichter liebt, sondern sehr organisch und archaisch, als hätten sich die heiligen Berge ihrer planetaren Wurzeln entledigt, um durch den Kosmos zu streifen.
Die Entscheidung gegen CGI und für reale Bauten kann man Denis Villeneuve gar nicht hoch genug anrechnen; allein die Nutzung von Licht und Schatten, durch Kameramann Bradford Young im Modell eines der Raumschiffe, erzeugt die richtige Mischung aus überzeugender Plastizität und traumartiger Phantasievorstellung, welche eine quasireligiöse “Erleuchtung” neben die triste (und in der Lichtgebung oft entsättigt und schattig wirkende) Alltagswelt der Menschheit stellt, die selbst im Angesicht des Außergewöhnlichen ihrem vorprogrammierten Verhalten nicht entkommen kann: Ignoranz, Gewalt, Desinformation.
Im letzten Drittel von “Arrival” versucht Denis Villeneuve ein von der Geschichte vorgegebenes non-lineares Zeitkonzept einzuführen, eine Herkulesaufgabe, ist der Film doch klassischerweise ein lineares Medium par excellence. Die wahrgenommene Bewegung, das Lebensnahe und -ähnliche auf der Leinwand, besteht aus Einzelbildern, die in passender Reihenfolge (und schnell genug) abgespielt werden müssen, um Film überhaupt zu ermöglichen. Um die Grenzen des Mediums (und vor allem der Zuschauer) wissend, findet er keine befriedigende visuelle Lösung, sondern muss sich mit einem Amalgam aus (vermeintlichen) Flashbacks und Voice-Over-Erklärungen behelfen, die “Arrival” etwas sehr emotional auflösen. Dabei bereitet mir weniger die Art und Weise, wie die Menschheit vor einer Dummheit bewahrt wird, Kopfschmerzen, sondern die Entscheidung der Hauptfigur (gespielt von Amy Ames) für eine stets vorhandene Verlusterfahrung, denn die Zukunft wird nicht nur vorausgesagt und wiederholt, alle Ereignisse finden immer wieder im selben Moment statt. Und ich kann es mir einfach nicht vorstellen, wie die negativen Elemente die positiven überwiegen sollen. So gesehen entscheidet sich Amy Ames Charakter für die ewige Verdammnis. Ein bisschen versöhnlicher stimmt dagegen der Beweggrund der Aliens, die diese weite Reise nicht ganz uneigennützig angetreten sind.
Das “desire for more cows” liegt meiner Sicht auf die Menschen jedenfalls näher als die Selbstaufopferung für das Leben der Geliebten. Steckt hier vielleicht die Botschaft? Wenn nicht, dann wurden wir zumindest knappe zwei Stunden auf höchstem Niveau mit spannender Science Fiction unterhalten. Bravo. 8,5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 15.12.2017)
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