Die Verachtung

Die Verachtung

(Regie: Jean-Luc Godard – Frankreich/Italien, 1963)

Der Filmproduzent Jeremy Prokosh lädt den Drehbuchautor Paul Laval und dessen Frau Camille in seine Villa ein. Auf Wunsch von Prokosh soll der mittellose Autor den zu “künstlerisch” geratenen Odysseus-Film von Fritz Lang publikumswirksam umfrisieren. Aber mit dem Geldsegen verliert Paul die Achtung vor seiner Frau. Es kommt zum Streit und zu einer schmerzvollen Trennung…

Wenn man nicht wüsste, dass es Jean-Luc Godard allein um seine Liebe zum Film, sowie um seine Verachtung für die Produzenten des alten Studiosystems Hollywoods ginge, könnte man “Die Verachtung” antiamerikanisch und kulturpessimistisch nennen.
Im Jahr 1963 war das feudale Filmsystem Hollywoods in den USA noch etabliert, weder John Cassavetes, noch die “jungen Wilden” des New Hollywood hatten bisher damit begonnen die verkrusteten Strukturen aufzubrechen oder komplett zu umgehen. (Cassavates verpfändete später quasi sein ganzes Leben an die Banken, um unabhängige Filme drehen zu können.)
Godard zeigt den kräftezehrenden Kampf um künstlerische Integrität und den Willen zum Erfolg bei den Massen, einmal recht offensichtlich auf der Film-im-Film-Ebene von “Le mépris” (Originaltitel), dann etwas verklausuliert als Liebesgeschichte zwischen Paul und Camille, die von Brigitte Bardot gespielt wird.
Die Figur des Filmproduzenten Prokosh ist eine herrliche Persiflage auf einen Produzenten aus Hollywood: Der Mann ist grob, ungehobelt, ungebildet und sucht ständig nach einer Möglichkeit Geld aus Dingen zu schlagen, die er nicht versteht. Wenn er auf seinem Anwesen lustwandelt und Sinnsprüche auf kleinen Kärtchen aus seiner teuren Anzugtasche zieht, um diese dann tönern vorzutragen, ist diese Kaste des Filmgeschäfts bis auf die Unterhosen ausgezogen und bis auf die Knochen blamiert.
Als Gegenpol dazu setzt Godard Fritz Lang als gutes Gewissen der Künstler ein, der den stärksten Bezug des Films zum Zuschauer herstellt, weil dieser Prokosh und dem leicht verführbaren Paul Laval eigentlich nur mit Stirnrunzeln zusieht und sich am ehesten mit den durchdachten Äußerungen von Lang identifizieren kann.
Bild-, schnitt- und storytechnisch ist “Le mépris” noch etwas konventioneller als die Filme der marxistischen Phase von Godard, die folgen sollten (etwa “Week End”), er überzeugt aber mit einem frischen Look in kräftigen Farben (auf die man etwas achten sollte, sie verdeutlichen die Beziehungen der Charaktere), so dass “Die Verachtung” längst nicht so “vintage” wirkt wie andere Filme aus dem selben Entstehungsjahr.
Ironie zum Schluss: Die Produzenten zwangen Godard nach Ansicht der ersten Schnittfassung Nacktszenen mit Brigitte Bardot nachzudrehen, damit der künstlerische und wenig massentaugliche Film sich besser verkauft. 7,5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 22.07.2012)
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