La Bête – Die Bestie

La Bête – Die Bestie

(Regie: Walerian Borowczyk – Frankreich, 1975)

Die junge Lucy Broadhurst reist mit ihrer Mutter nach Frankreich, um dort Mathurin de l’Esperance, den Sohn eines reichen Aristokraten zu heiraten. Bilder und Aufzeichnungen der verstorbenen Mutter ihres Zukünftigen bringen Lucy auf frivole Gedanken: In ihren Träumen folgt sie Romilda de l’Esperance in den Wald, wo sie lustvollen Sex mit einer mysteriösen Bestie hat…

Die netten Menschen von Bildstörung kennen die Käufer ihrer Produkte gut und so ziert die ungekürzte DVD-Veröffentlichung des lange indizierten “La Bête” auch der Aufdruck “‘Wir raten ab!’ – Katholische Filmkritik”.
Während der Vorspann die Namen der Beteiligten zeigt, hört man im Hintergrund das Wiehern und Schnauben von Pferden, dann folgt ein Schnitt und die Kamera zeigt uns Mathurin de l’Esperance, wie er kopulierende Pferde beobachtet. In den nächsten Minuten interessiert sich die Kamera für den erigierten Penis des Hengstes und die konvulsive Vagina der Stute, sowie deren Vereinigung. Dieser kraftvolle und sehr rohe Sexualakt wird noch länger nachwirken und dem Zuschauer während des Films durch pferdähnliche Geräusche immer mal wieder ins Gedächtnis zurückgerufen, teilweise auch durch Polaroidaufnahmen des Pferdesex, die Lucy Broadhurst bei ihrer Ankunft in Frankreich macht.
Bis die titelgebende Bestie in Erscheinung tritt, darf man einer wie aus einem Groschenroman entstammenden Adelsfamiliengeschichte um Heirat, Sex, Intrigen, Geld und Tod folgen, die sehr elegant und schwerelos daherkommt, was vor allem an der wahnsinnig guten Zusammenarbeit von Kamera, Schnitt und Regie liegt. Ein Lehrstück für alle Filmemacher, wie geschmeidig hier Szenen eingeführt, ausgeführt und wieder verlassen werden. Allein das ist schon ein Grund sich “Die Bestie” zu Gemüte zu führen.
Im zweiten Teil des Films, der mehrere Traumsequenzen enthält, die auch die Vorgeschichte der Familie und die Zeugung Mathurins abhandeln, bleibt dann ordentlich Platz für Mord und Selbstmord, sowie für die Hauptattraktion des Films: Zoophilie in Nahaufnahme. Wer schon immer mal eine Bestie aus dem Kostümverleih sehen wollte, die ihren großen Penis dazu benutzt in eine Perücke zu wichsen oder sich von der Frauengestalt im Traum (wohl Mathurins Mutter) mit den Füßen befriedigen lässt, während diese an einem Baum hängt, muss “La Bête” sehen!
Sehr interessant finde ich, dass sich Walerian Borowczyks Film auf eine ganz ähnliche Weise mit der Körperlichkeit des Menschen befasst, wie der ungefähr zur gleichen Zeit populär werdende Splatterfilm. Während dort die Ablösung von althergebrachten Tabus und Moralvorstellungen (eingeführt und zementiert durch die christliche Kirche) durch pulsierende Wunden und Verletzungen, aus denen das Blut fließt und spritzt, geschieht, passiert hier das gleiche, nur in Form eines enormen Phallus, der zuckend vor Lust endlos seinen Samen in die Welt schleudert – um schließlich doch zu krepieren. Im Splatterfilm läuft es ganz ähnlich ab, die phallusartigen Mordwerkzeuge werden früher oder später gestoppt bzw. kommen zum Erliegen. Etwas, das für die männlichen, menschlichen Charaktere des Films schon zu Beginn gilt: Sie sind entweder nicht in der Lage zu ejakulieren, haben keine Lust daran oder werden durch Herrschaftsverhältnisse immer wieder vor dem entscheidenden Moment unterbrochen.
Ich rate zu “La Bête – Die Bestie”. (Unbedingt in der VÖ von Bildstörung, denn diese ist hervorragend restauriert, sowohl beim Ton als auch beim Bild.) 7,5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 30.07.2012)
Advertisements
This entry was posted in Film and tagged , , , . Bookmark the permalink.

One Response to La Bête – Die Bestie

  1. Pingback: Die Kissen sind geschlachtet | PAURAnoia - Gedanken beim Betrachten des Messerblocks

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s