A Serious Man

A Serious Man

(Regie: Ethan Coen/Joel Coen – Frankreich/Großbritannien/USA, 2009)

Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) geht es richtig gut. Sein Arzt bestätigt ihm tadellose Gesundheit, sein Sohn Danny (Aaron Wolff) feiert bald seine Bar Mitzwa und er selbst steht kurz vor einer Festanstellung als Professor. Das es zudem immer korrekt zugeht, versteht sich für ihn von selbst, weshalb auch kein Student von ihm außerordentliche Zugeständnisse erwarten kann. Bis ihm seine Frau Judith (Sarah Lennick) offeriert, dass sie sich scheiden lassen will und mit Sy Ableman (Fred Melamed), einem alten Freund der Familie, ein Verhältnis hat. Das Larry überrascht reagiert, versteht keiner in der Familie, denn schließlich sei die Beziehung zwischen ihm und seiner Frau schon lange gestört gewesen. Wenig später steht auch Sy vor der Tür, um mit Larry ein Glas zu trinken, weil er so angemessen reagiert hätte. Nur Larry kann nicht fassen, was mit seinem scheinbar so glücklichen Leben passiert, dabei ist das erst der Anfang…

Liebe Filmemacher dieser Welt, bitte hört auf “Somebody To Love” von Jefferson Airplane auf die Soundspuren eurer Ergüsse zu pinseln, der großartige Track wurde in den letzten Jahren vollends überstrapaziert. Ethan und Joel Coen verzeihe ich diesen Missgriff, da sie die Band (und ihre Mitglieder) geschickt in den Film einbauen können und auch anderes aus deren Repertoire (etwa “Today”) zur Geltung kommen lassen.
Wie immer, wenn die Coen-Brüder einen Film drehen, freuen sie sich diebisch ihre Hauptfigur in absurd-bedrohliche Situationen stecken zu können, die (anscheinend) deren Leben gefährden. Man meint das Händereiben von Ethan und Joel zu hören, wenn Gopniks sediertes Vorstadtleben zunehmend auseinanderfällt. Während er jedoch einen großen Riss im Boden fürchtet, der ihn und seinen heimeligen Zustand verschlingen könnte, spielen sich nur die alltäglichen Dramen ab, es ist nicht mal ansatzweise eine Katastrophe am Horizont bemerkbar, wenn man vom Schluss des Films absieht, der einen Tornado und unbekannte Neuigkeiten vom Arzt bereithält. Je nachdem, ob der Zuschauer auch ein Gopnik ist oder nicht, wird er das für den Weltuntergang oder eine vorübergehende Störung halten.
Dies ist auch der Schlüssel: Gopnik ist ein Zauderer, ein Zögerer, jemand der immer “nichts gemacht” hat. Für ihn bedeutet Veränderung Verderben und so wächst ihm nach und nach alles über den Kopf.
Für manche Gojim mögen die vielen hebräischen und jiddischen Begriffe etwas verwirrend sein, außerdem sollte man gewisse Grundkenntnisse das Alte Testament bzw. den Tanach betreffend haben, ansonsten trägt das jüdische Setting aber erheblich zum Gelingen des Films bei. Da gibt es z.B. die Rabbis, die nicht mehr sind als Kalendersprüche-aufsagende Nichtsnutze, sieht man mal von Marshak ab, der kein verstaubtes Artefakt mit Leichenbittermiene ist, sondern Gopniks Sohn den passenden Rat zum “Sommer der Liebe” gibt: Ein düsteres Zitat aus Jefferson Airplanes “Somebody To Love” plus die Namen aller Bandmitglieder.
Diverse Quellen behaupten, dass “A Serious Man” in einer Kleinstadt in Minnesota stattfindet und zwar im Jahr 1967 – dem “Summer of Love”. Während des Films spielt der Columbia Records Club eine Rolle und man erfährt, dass der Sohn von Larry Gopnik Platten zugesandt bekommt. Dies sind “Abraxas” von Santana und “Cosmo’s Factory” von Creedence Clearwater Revival. Beide erschienen jedoch nicht vor dem Sommer 1970. Dies bleibt aber auch der einzige Schnitzer in einem weiteren Höhepunkt des Coen’schen Filmschaffens. 8,5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 13.02.2013)
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