Der Saustall

Der Saustall

(Regie: Bertrand Tavernier – Frankreich, 1981)

Wir befinden uns im Jahr 1938. In einer französischen Kolonie in Afrika ist Lucien Cordier (Phillipe Noiret) der Polizist in einem Dorf, das hauptsächlich mit Schwarzen und wenigen, meist rassistischen und dummen, Weissen bevölkert ist. Von jedem im Dorf wird er ständig nur gedemütigt. Niemals sperrt er jemanden ein und sieht immer weg, wenn etwas passiert. Aber eines Tages ändert sich das…

Treffenderweise wählt Bertrand Tavernier in seiner galligen Farce “Coup de torchon” (Originaltitel) die Figur des Polizisten, um einen opportunistischen Egoisten mit höchst flexiblen Moralvorstellungen zu zeichnen. In Kombination mit dem Setting des Films (Kolonialafrika, vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs) und Lucien Cordiers Wahnvorstellung, er sei der Heiland, Jesus Christus, der Erlöser, ist dies ein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Frankreich und dessen imperialistischer Verbrechen. Die alten weißen Europäer, die aufbrachen, um mit ihrer vermeintlichen Überlegenheit einen ganzen Kontinent das Fürchten zu lehren.
Sämtliche Niedertracht ist hier versammelt und wird auch durchexerziert, meist nur, um sich selbst schnell einen Gefallen zu tun. Cordier ist “nichts Menschliches fremd”, vor allem, wenn er sich nicht dafür verantworten muss oder die Schuld einem anderen anhängen kann. Frankreich ist so fern wie die nächste Polizeipräfektur.
Regisseur Tavernier tut dem Publikum nicht den Gefallen, zu zeigen, ob Cordier sich aufgrund der Demütigungen, die er ertragen muss, zu dem Schwein entwickelt, das er ist, oder ob er schon von Anfang an diese miese Type war. Es bleibt in der Schwebe.
Mehrmals hatte ich den Eindruck, dass die Kamera Fluchtversuche vor den Figuren unternimmt; sie reißt sich los und sucht das Weite, wird aber immer wieder vom selbstgefälligen Gestank der Kolonialherren eingeholt.
Der über die gesamte Länge von “Coup de torchon” vorhandene Humor neutralisiert etwas das Bittere, was rasch hätte überhand nehmen können. Man denke an das Zielschießen auf vorbeitreibende, afrikanische Ruhrleichen. Außerdem schafft es Tavernier seine Hauptfigur mit einer Grundsympathie auszustatten, was auch an Darsteller Philippe Noiret liegen mag. Ganz erstaunlich, wenn man sich die Taten und erst die widerliche Einstellung der Figur vor Augen führt! Lucien Cordier landet wie das imperialistische Frankreich zum Schluss in einer Sackgasse, in die er sich selbst laviert hat. “Der Saustall” basiert auf der Buchvorlage “Pop. 1280” von Jim Thompson, einem der Lieblingsautoren von Stephen King. 8/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 17.03.2013)
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