eXistenZ

eXistenZ

(Regie: David Cronenberg – Großbritannien/Kanada, 1999)

Eine Storybeschreibung zu “eXistenZ” zu schreiben, ist nicht nur ziemlich schwierig, sondern praktisch unmöglich – zumindest, wenn man nicht alles verraten will…
Grob gesagt geht es um das neuartige Spiel “eXistenZ”, welches man spielt, indem man einen organischen “Pod” per “Nabelschnur” an einen “Bioport” anschließt, der in den Rücken implantiert wird. Dieser Pod kommuniziert direkt mit dem Rückenmark und versetzt den Spieler in eine absolut real erscheinende Spielwelt. Die Schöpferin des Spiels ist Superstar Allegra Geller, die beim Spielen von “eXistenZ” zusammen mit ihrem Freund Ted Pikul in einen Sog des Wahnsinns gezogen wird. Denn nach und nach verschmelzen die Grenzen zwischen Realität und Spiel und niemand weiß mehr, was real ist und was nicht…

Glas, Metall und Kunststoff, viele bunte, blinkende Lichter. Wenn es etwas düsterer und ernster sein soll, gerne auch mit einer Patina überzogen. Im Grunde aber die oben genannten Komponenten. So stellt sich der gemeine Sci-Fi-Regisseur die Zukunft vor. Garniert mit einigen sterilen, aber fiependen Computerattrappen, die vor allem als Monitore auftreten.
David Cronenberg setzt seine Zuschauer zur Präsentation des neuesten Virtual Reality-Spielehits in ein muffiges, holziges, altes Kabuff auf Holzstühle. Die Anhänger der Spieledesignerin Allegra Geller sind fleißig erschienen, werden aber handverlesen, um die neue Technik nicht zu gefährden. Eine Stimmung wie bei der Versammlung der Apple-Lemminge zur Vorstellung eines weiteren Mobiltelefons. Plötzlich löst sich ein junger Mann aus der Menge und schießt die Spieledesignern mit einer eigentümlichen Waffe nieder und skandiert: “Tod dem Dämon Allegra Geller!”
Von hier aus entwickelt sich eine Flucht, die durch mehrere Realitätsebenen führt und den ganzen Computerkram als eine das Fleisch durchdringende, amphibisch-invasive, an den Grundfesten der Wahrnehmung rüttelnde Veranstaltung zeigt. Wenn man keine anderen Filme von David Cronenberg gesehen hat, könnte man vermuten, dass er hier seinen ganz persönlichen “future shock” verarbeitet, dabei bleibt er einem alten Thema treu: Dem Eindringen einer fremden Macht in den eigenen Körper, die sowohl die Biologie verändert, als auch neue (andere?) Handlungsmöglichkeiten eröffnet oder aufzwingt.
Er setzt auf rohe Bilder, die nur so vor Froschinnereien, Fischlaich und Blut strotzen, alle Schauplätze sind heruntergekommen. Man kann sie fast schmecken und riechen. Gleichzeitig zeigt er die Verlockungen der Virtual Reality, jedoch auch ihre Fehler und Grenzen. Man wird nie warm mit dem Gedanken an eine derartige Spielewelt, die ihren Kunden Mini-Games wie “Hit By A Car” andreht.
Merkwürdigerweise sind die eher blassen Jude Law und Jennifer Jason Leigh ein guter Griff für diesen Film, ihre charakterlose Glätte ahlt sich wie ein Frosch im Teich in der auf Zuruf reagierenden Schleifenwelt des Computerspiels “eXistenZ”. Willem Dafoe wirkt in einer Nebenrolle etwas unterfordert. Ein besonderes Lob gilt dem FX-Team: Obwohl der Film nun schon einige Jahre auf dem Buckel hat, sehen die künstlichen Amphibien immer noch überraschend lebensecht aus.
Zum Schluss bleibt nur festzustellen, dass die Idee, dass das System überlebt, unabhängig vom Menschen, der es präsentiert. Der Tod hat den Dämon Steve Jobs längst geholt. Sein Imperium wirkt weiter. 7,5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 17.03.2013)
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