Kabinett außer Kontrolle

Kabinett außer Kontrolle

(Regie: Armando Iannucci – Großbritannien, 2009)

Ob 10 Downing Street, Weißes Haus oder Vereinte Nationen: Der Wahnsinn ist überall zuhause und hat schlimmstenfalls auch noch Methode. Einen anderen Eindruck kann man in dieser rabenschwarzen Polit-Comedy nach bester britischer Tradition nicht gewinnen. Ein Heer von alten Zynikern und jungen Karrieristen ist dabei, über einen Krieg im Nahen Osten zu entscheiden. Mittendrin ein planloser Minister für internationale Entwicklung samt Entourage und der beinharte Pressechef der britischen Regierung, der seinem Premierminister wieder einmal den Allerwertesten retten muss.

Armando Iannucci tappt in seinem Film “In The Loop” (Originaltitel) nicht in die Falle, alle Politiker und Militärs als Schwachsinnige oder gar Geisteskranke darzustellen, vielmehr sichtet und sammelt er Macken und Ticks, die er sich unter einem Vergrößerungsglas genauer ansieht und zeigt den Politbetrieb ansonsten so, dass man sich vorstellen kann, dies sei der übliche Ablauf.
Von kleinen Meetings über den lokalen Termin beim Wähler bis hin zu den großen Weltereignissen wird alles abgebildet, der Schwerpunkt liegt aber auf den Beziehungen der politischen Klasse untereinander. Dies verdeutlicht Iannucci mit geschliffenen und rabenschwarzen Dialogen, die vom Großteil der Darsteller brilliant dargeboten werden, die wenigen Ausnahmen, wenn es etwas an schauspielerischer Ausdruckskraft mangelt, kann man verschmerzen.
Sollte man sich weder für politische Ränkespiele, noch für die privaten Sorgen und Nöte von Politikern interessieren, kann man “Kabinett außer Kontrolle” auch einfach gucken, um sein Fluch-, Schmäh- und Beleidigungsvokabular blumig und intensiv zu erweitern. So gut wie jede Figur bringt im Minuten- bis Sekundentakt absolut erinnerungswürdige Zeilen. Besonders im Gedächtnis bleiben dabei die (selbstironischen) Attacken von James Gandolfini (“The Sopranos”) und die zynisch-sarkastischen Wortbombardements von Peter Capaldi.
Die eigentliche Geschichte um einen Kriegseinsatz im Nahen Osten, die dabei im Hintergrund abläuft, kann man vernachlässigen, sie dient letztlich nur als Vehikel für die Wortgefechte, die zur Abwechslung mal nicht in einem völlig verqueren Setting stattfinden, im Gegenteil, die aus Funk und Fernsehen bekannte gewollt seriöse Fassade der Politik erträgt die Ausraster der Protagonisten in völligem Stoizismus.
Ich muss wohl nicht erwähnen, dass dies einer der Filme ist, die man sich unbedingt im Originalton antun sollte? Bitter, aber mit einem breiten Grinsen. 7,5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 01.02.2013)
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