Let Sleeping Corpses Lie

Let Sleeping Corpses Lie

(Regie: Jorge Grau – Italien/Spanien, 1974)

George ist ein Londoner Kunsthändler und will das Wochenende in seinem neuen Sommerhaus in Windemere verbringen. Auf dem Weg dorthin demoliert eine junge Frau namens Edna an einer Tankstelle sein Motorrad. Da die Reparatur einige Tage in Anspruch nimmt, fährt George in Ednas kleinem Wagen mit und prompt verfahren sich die beiden. Sie wollen einen Bauern nach dem Weg fragen, der gerade mit zwei Männern vom Landwirtschaftsministerium spricht, die mit dem Bauern zusammen eine neue Art von Schädlingsbekämpfung ausprobieren, wobei man mit Ultraschall auf das Nervensystem der Tiere einwirken will. Während die vier Männer sich unterhalten, wird Edna von einem Mann belästigt. Als die vier wiederkommen, ist er weg, doch man sagt ihr, das sei Guthrie gewesen, ein verrückter Landstreicher, der eigentlich letzte Woche ertrunken sei. Edna und George lassen diese verstörende Situation schnell hinter sich und fahren zu Ednas Schwester Katie, die sich wegen ihres Heroin-Konsums gerade heftig mit ihrem Mann Martin streitet. Da kommt plötzlich der zombieartige Guthrie, tötet Martin und verschwindet wieder. Die Polizei vermutet, das Katie ihn getötet hat. Katie kommt daraufhin ins Krankenhaus, in dem gerade sehr seltsame Fälle von verrückten Babys beobachtet werden. George erzählt von den Ultraschall-Experimenten, welche die Insekten verrückt werden lassen, so das sie sich gegenseitig ausrotten. Der Doktor vermutet, das diese Schallwellen auch auf das Nervensystem der Babys wirken. Kurz darauf kommen auch schon die Zombies, denn die Toten steigen aus den Gräbern, weil die Schallwellen ihr Nervensystem beeinflussen…

Richter und Staatsanwälte halten Jorge Graus “Non si deve profanare il sonno dei morti” (Originaltitel) auch knapp 40 Jahre nach seinem ersten Screening für beschlagnahmenswert und verkennen damit völlig, dass es sich hier nicht um einen der üblichen Exploiter handelt, der Grausamkeiten um der Grausamkeiten Willen zeigt, sondern um einen fein komponierten, wenn auch drastischen Horrorfilm, der sich mit den Themen der im Zerfall stehenden Hippie-Gegenkultur beschäftigt.
Die um sich greifenden Drogenprobleme, die Kämpfe gegen die verkrusteten Strukturen des alten Systems, die schließlich zur Flucht aus der Gesellschaft führen und im Aussteigertum enden, die Angst vor Umweltzerstörung und Atomkraft und wie immer die faschistoide Art der Autoritäten, in Graus Film dargestellt durch die Polizei; all dies ist Thema in “Let Sleeping Corpses Lie” und wird mit einer düsteren Zombieatmosphäre verbunden, lange bevor George A. Romero “Dawn Of The Dead” drehen konnte. Natürlich ist der Einfluss von “Night Of The Living Dead” spürbar, Jorge Grau setzt aber auf einen saftigen Farbfilm und derbe Splattereffekte, sowie Fresszenen, die seinen Beitrag zum Zombiefilm weniger außerweltlich und “künstlich” erscheinen lassen. Dies wird der Grund für die Beschlagnahme gewesen sein, ich könnte mir auch vorstellen, dass der von Hauptfigur George zur Schau gestellte Hass auf Autoritäten ein Stück dazu beigetragen hat.
Während es fast schon Tradition hat, dass Zombiefilme nicht ohne Längen auskommen, ist “Let Sleeping Corpses Lie” spannend geschrieben und mit dem nötigen Schwung umgesetzt worden, außerdem sind Graus Zombies immer unverkennbare Charaktere, die eine furchteinflößende Präsenz auf der Leinwand haben. Hinzu kommt, dass die Darsteller gut gewählt sind und über dem sonstigen schauspielerischen Niveau von Filmen dieser Art operieren.
Einige Stellen von “Don’t Open The Window” (US-Verleihtitel) erinnern an traditionellen Grusel, werden aber durch die Thematik und die bluttriefenden Effekte immer wieder zurück in den modernen Horrorfilm gezogen. Das ist ansprechend geschnitten und von passender Musik und Soundeffekten unterlegt. Apropos Sound und Musik: Die Stoner-/Doom Metal-Band “Electric Wizard” samplete eine Dialogzeile aus “Let Sleeping Corpses Lie” für ihren Song “Wizard In Black”:
Inspector: “You’re all the same, the lot of you, with your long hair and faggot clothes. Drugs, sex…every sort of filth. And ya hate the police, don’t ya?”
George: “You make it easy.”
Sollte man sich entschließen, in seinem Leben nur einen Zombiefilm zu schauen, würde ich diesen hier empfehlen. 9,5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 21.01.2013)
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