Permanent Vacation

Permanent Vacation

(Regie: Jim Jarmusch – USA, 1980)

Der 16jährige Allie Parker ist einer von vielen in der Millionenstadt New York. Immer unterwegs, ohne genaues Ziel bewegt er sich durch die Mengen ohne jemals ein Teil der Gesamtheit zu sein. Nirgendwo ist er zu Hause, und doch findet der Junge, der den größten Teil seiner Jugend in Besserungsanstalten verbracht hat, in den Straßen der Lower East Side etwas wie einen Lebenssinn. Zwischen Graffiti-Sprayereien, Musik und Tanz findet sein flüchtig gelebtes Leben Ausdruck. Ein Leben ohne richtige Vergangenheit und auch ohne Zukunft. Das Leben eines Menschen, der keine Spuren hinterlässt.

Inwieweit das poetische Erstlingswerk von Jim Jarmusch autobiographisch ist, kann ich nicht wirklich bewerten, die Hauptfigur Allie teilt aber eine bemerkenswerte Eigenschaft mit dem Regisseur: Sie verbringt Teile ihrer Jugend sowohl in New York als auch in Paris.
Der Sohn einer Mutter, die in einem heruntergekommenen Sanatorium haust, driftet wahl- und ziellos durch die dreckigen Straßen New Yorks, auf denen ihm mal mehr und mal weniger tragische Figuren begegnen, deren Schicksale er mit einer erstaunlichen Gleichgültigkeit hinnimmt. Auch sein eigenes Leben, das kein Ziel oder einen Sinn kennt oder gar kennen will, erträgt er eher stoisch, er ist Treibholz im Meer der äußeren Einflüsse. Heute hier, morgen dort.
Über weite Strecken wirkt “Permanent Vacation” bedrohlich, obwohl Allie nicht in Gefahr zu schweben scheint. Die dumpf-rumpelnde Musikuntermalung mit Saxophon-Tupfern erzeugt in Kombination mit den verwahrlosten Häuserschluchten New Yorks diesen Eindruck. Jim Jarmusch und John Lurie, der auch an späteren Werken immer wieder beteiligt wird, teilten sich die Komposition. Auch der Witz der nachfolgenden Filme ist in “Permanent Vacation” schon angelegt, das schillernde “Doppler-Effekt”-Segment spricht Bände, gerade auch, weil sich Geschichte und vermeintliche Realität hier vermischen, wenn Allie kurz darauf einen Saxophonisten (gespielt von John Lurie) trifft, der über “Somewhere Over The Rainbow” improvisiert.
Hauptdarsteller Chris Parker macht seine Sache gut, aber auch bei ihm vermutet man starke autobiographische Einflüsse, wie es eine Dokumentation des WDR von 1984 im Bonusmaterial der Arthaus-DVD mehr als nur andeutet.
Die Unruhe und Unsicherheit hebt Jarmusch zum Schluss des Films nicht auf, sondern lässt seine Hauptfigur weiter durch die Weltgeschichte treiben, diesmal in Richtung Europa, begleitet von dem Kommentar, dass er New York vermisse, jetzt wo er wisse, dass er zu neuen Ufern aufbreche. Unentschlossenheit als bröckelnde Schönheit, unterlegt mit bedrohlichen Untertönen. Ein guter Einstand. 7,5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 12.03.2013)
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