The Killing Fields

The Killing Fields

(Regie: Rolland Joffé – Großbritannien, 1984)

Kambodscha in den 70ern: der Bürgerkrieg nimmt ernste Formen an. Der US-Journalist Schanberg (Sam Waterston) berichtet mit Hilfe seines gebürtigen kambodschanischen Freundes Dith Pran (Haing S.Ngor) über die Ereignisse. Als die roten Khmer die Macht an sich reißen, bleibt Dith Pran bei Schanberg und schickt seine Familie außer Landes. Als Journalist hat Schanberg nichts zu befürchten, doch Prans Abreise wird verhindert. Als Einheimischer und darüber hinaus auch noch gebildeter Bürger gehört er genau zu der Bevölkerungsgruppe, die die Khmer auslöschen wollen…

Der mit drei Oscars und viel Kritikerlob ausgestattete Anti-Kriegsfilm “The Killing Fields”, welcher auch die Kino-Karrieren von Julian Sands und John Malkovich startete, kämpft mit den gleichen Fehlern, die auch andere Werke betreffen, die sich dem großen Humanismus verschrieben haben. Bei der klaren Trennung zwischen guten (Journalisten, Zivilisten) und bösen (Militär, Regierung) Menschen bleibt kaum Zeit für die Darstellung politischer und gesellschaftlicher Hintergründe, man erfährt so gut wie nichts über die Ziele der jeweiligen Kriegsparteien. Im Falle der Roten Khmer ist das besonders ungünstig, da man sich entschloss, nichts von dem, was gesagt wird, zu untertiteln oder zu übersetzen. Der Zuschauer muss sich alleine am Minenspiel von Haing S. Ngor (einem Laienschauspieler und Überlebenden der “Killing Fields”) durch das Geschehen hangeln. Dafür gab es übrigens auch einen der Oscars. Dies hat zur Folge, dass die Khmer Rouge genauso gut ein Rudel wilder Tiere oder eine Bande Außerirdischer sein könnten. Regisseur Rolland Joffé entmenschlicht sie vollkommen; immerhin dürfen die US-Amerikaner die ihnen angedachte Rolle der ignoranten Weltpolizei ausfüllen.
Ein weiterer Fehler besteht in meinen Augen in der konservativen Umsetzung des Films, die wohl Realismus beschwören soll, aber im ungünstigsten Fall altbacken und uninspiriert wirkt. Kamera und Schnitt scheinen wie aus dem Lehrbuch übernommen. Es ist größtenteils schade um die Sets (gedreht in Thailand und Kanada) und die schauspielerischen Leistungen, wenn sie so kraftlos heruntergekurbelt werden, dass sich Joffé voll und ganz auf den emotionalen Gehalt der Kriegsbilder verlassen muss. Die einprägendste Szene bleibt dann auch der Sturz von Haing S. Ngor in ein Wasserloch auf den “Killing Fields”, dem eine Ahnung folgt wie unerbittlich und grausam die Roten Khmer gewütet haben.
“The Killing Fields” ist beileibe kein schlechter Film und hält das Interesse des Zuschauers auch über 135 Minuten geweckt, die scherenschnittartige Darstellung der Geschichte, gepaart mit der ideenlosen Umsetzung, kostet aber einiges an Punkten.
Zyniker könnten dies auch als eine Positionierung im “Beatles-Streit” sehen: Der ganze Schlamassel beginnt mit den Tönen von Paul McCartneys “Band On The Run” und wird in einem Happy End zu John Lennons “Imagine” aufgelöst. Übrigens nach wahren Erlebnissen zweier Mitarbeiter der New York Times. 7/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 04.03.2013)
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