Lifeforce – Die tödliche Bedrohung

Lifeforce – Die tödliche Bedrohung

(Regie: Tobe Hooper – Großbritannien, 1985)

Die Besatzung einer Raumschiff-Forschungsmission entdeckt in der Nähe von Halleys Komet ein außerirdisches Raumschiff, in dem sie diverse tote fledermausähnliche Kreaturen und drei Menschen in Glasbehältern finden. Sie nehmen sie mit, doch als das Shuttle wieder zur Erde zurückkehrt, sind außer einem Insassen alle tot. Im Labor erwachen die drei Menschen dann wieder zum Leben und saugen die Lebensenergie aus allen Menschen heraus, derer sie habhaft werden. Doch auch die Opfer werden zu dieser Art von Vampiren, doch sie brauchen immer neue Energie und selbst ein speziell zusammengestelltes Team kann kaum etwas gegen das ausbrechende Chaos ausrichten…

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich Tobe Hooper die Bearbeitung eines Science Fiction-Stoffes gar nicht zugetraut, zu sehr verbinde ich mit ihm den dreckigen Terror von Filmen wie “The Texas Chainsaw Massacre 1+2”, “Eaten Alive” oder “The Funhouse”. Mit Vampiren hatte der gute Mann jedoch schon zu tun, man beauftragte ihn die filmische Umsetzung von Stephen Kings “Salem’s Lot” auf die Leinwand bzw. ins Fernsehen zu bringen. Dort sah man noch einen völlig anderen Typus von Vampir, der eher dem traditionellen Bild entsprach: Ein aus der blutsaugenden Oberschicht entstammender Sprössling, der in einem herrschaftlichen Haus in New England residiert.
Die Lebenskraft lutschenden Biester in “Lifeforce – Die tödliche Bedrohung” kommen hingegen aus den Tiefen des Weltalls (Weltraumvampire! Ein herrliches B-Film-Thema. Vampires from outer space!) und ein Wissenschaftler äußert im Verlauf der Handlung die Vermutung, dass sie die Vorfahren und der Ursprung für das vampirische Treiben auf unserem Planeten sein könnten. Man sieht den Blutregen im Jahre 2001, der in Indien niederging, plötzlich mit völlig neuen Augen. (Weltraumvampire!)
Leider spielen nur die ersten zehn Minuten und vereinzelte Szenen im Weltall, die Gestaltung ist nämlich eigen und größtenteils handgemalt. Die Wirkung ist ähnlich faszinierend wie in Kubricks “2001”, die Bauten haben eine anziehende Schönheit und strahlen geheimnisvoll in Grün- und Blautönen. Auch die Creature FX können sich sehen lassen, wenn man von ein paar Schnellschüssen zum Ende des Films hin absieht. Blut setzt Tobe Hooper auch ein, aber eher gezielt. Zugute kommt ihm dabei, dass die Opfer der Vampire völlig austrocknen, sollten sie keinen weiteren Lebenssaft mehr saugen können, und zu Staub zerfallen.
Schauspielerisch darf man hier keine Höchstleistungen erwarten (musikalisch dürfte man dies, der Score stammt von keinem Geringeren als Henry Mancini, bleibt aber, äh, nennen wir es “unaufdringlich”), auch die Charaktere sind aus ähnlich gelagerten Filmen bekannt. Erwähnenswert scheint vor allem Mathilda May, dies jedoch fast ausschließlich wegen ihrer körperlichen Vorzüge. Nie wieder gab es im Kino einen Vampir mit volleren Lippen und schöneren Brüsten – weder davor, noch danach.
Im Zuge der um sich greifenden Bissigkeit der Neuinfizierten entwickelt sich “Lifeforce – Die tödliche Bedrohung” nach und nach zu einem Endzeitfilm mit deutlichen Anleihen bei Romeros Zombiesaga. Die Laborversuche von Verwaltung und Militär, die völlige Hilflosigkeit der Politik (die sich nur einen thermonuklearen Schlag gegen London als Ausweg vorstellen kann), sowie die Ratlosigkeit von Medizin und Wissenschaft führen zu den üblichen Folgen: Autoritätshörigkeit, Ignoranz und blindem Aktionismus.
Schön, dass unser Held (der Captain des britischen Raumschiffs) sich schließlich zur Erlösung der Menschheit ans Kreuz schlagen lässt (besser gesagt: er begeht einen erweiterten Suizid) und zusammen mit seiner heißen Vampirliebe und der geraubten Lebensenergie (Seelen?) im Weltraum verschwindet. Religiöse Motive/Untertöne findet man immer mal wieder in “Lifeforce”, darf diese aber gerne behalten.
“Lifeforce – Die tödliche Bedrohung” ist ein feines Beispiel für ein B-Film-Thema, das auch nach allen Regeln der Kunst als B-Film umgesetzt wurde. Man findet wissenschaftliche Erklärungen und Monologe über das Wesen der Weltraumvampire, freut sich eigentlich aber über die Apokalypse in den Straßen Londons, das Raumschiff, die Kreaturen und über jeden nackten Auftritt von Mathilda May. Weltraumvampire! 7,5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 29.05.2013)
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