Moon

Moon

(Regie: Duncan Jones – Großbritannien, 2009)

Raumfahrer Sam Bell ist nun schon seit 3 Jahren auf dem Mond und steht kurz vor der Beendigung seines dortigen Aufenthalts und der Wartungsarbeiten für die Energiegruppe Lunar Industries, welche auf dem Mond eine Raffinerie zum Abbau des zur Kernfusion benötigten Hellium-3 errichtet hat, wodurch die Erde mit Energie versorgt wird. Treuer Begleiter an seiner Seite ist dabei der hochentwickelte Computer GERTY. Da ereignet sich ein folgenschwerer Unfall und Sam erwacht in der Krankenstation und darf vorerst nicht mehr die Basisstation verlassen. Jedoch schafft er es GERTY dazu zu überreden, ihn doch für einen kurzen Trip nach draußen zu lassen. Dabei entdeckt er in einem Raumfahrzeug eine ohnmächtige Person, welche ihm bis aufs Haar ähnlich sieht. Zurück auf der Basisstation erwacht nun auch diese Person wieder aus dem Koma…

Schon für David Bowie verhieß der Weltraum Ende der 60er Jahre neue Abenteuer, die er in seinem Song “Space Oddity” tragisch enden ließ. Hier hat die Figur des Major Tom ihren Ursprung, die Peter Schilling Jahre später mopste und für seinen gleichnamigen NDW-Hit gebrauchte. Warum das alles wichtig sein soll? Nun, David Bowie ist der Vater von Duncan Jones, dem Regisseur von “Moon”.
Am Anfang sieht es ganz so aus, als würden sich die Zeilen aus Bowies “Ashes To Ashes” bewahrheiten: “Major Tom is a junkie”. Wir sehen einem ziemlich verwahrlosten Sam Bell (hervorragend gespielt von Sam Rockwell) bei seinem Alltag auf der Mondbasis zu. Er scheint von den drei langen, einsamen Jahren geschlaucht und etwas derangiert zu sein und hat höchstwahrscheinlich auch ein kleines Medikamentenproblem. Sein einziger Gefährte ist der Roboter GERTY, der mit ihm über Smileys und einen Sprachcomputer kommuniziert. Die sonore, wohltuende Stimme erinnert direkt an HAL 9000 aus Stanley Kubricks “2001”; diese gewollte, beunruhigende Assoziation wird sich im Verlauf von “Moon” aber als roter Hering herausstellen.
Auch Verbindungen zu dem anderen großen Werk des Science-Fiction-Kinos liegen auf der Hand, Duncan Jones liefert dem Zuschauer kleine Hinweise auf “Solaris”.
Mit diesen beiden Klassikern im Hinterkopf freute ich mich die ersten 15 Minuten auf einen Film, der meines Erachtens den schleichenden Prozess des Wahnsinns am Beispiel eines Mannes, der für drei Jahre hinter dem Mond lebte (getrennt von Frau, Familie, Freunden und überhaupt jeglicher menschlicher Zuwendung) und nun nur zwei Wochen vor der Heimreise steht, zeigen wird.
Leider geirrt, denn mit dem Auftreten des Klons nimmt “Moon” eine überraschende Wendung in Richtung “Blade Runner”. Damit fällt auch ein wenig die beklemmende Atmosphäre weg, die einen auf der dunklen Seite des Mondes halluzinierenden, verängstigten Sam Bell einschließt.
Die sterile Umgebung der Mondbasis und die kargen Landschaften des Mondes müssen natürlich gefüllt werden. Jones versucht dies gar nicht erst mit aufwendigen Spezialeffekten, sondern lässt Sam Rockwell in einer Doppelrolle genügend Platz, um auf der Leinwand zu glänzen. Ab und zu scheint “Moon” etwas schluderig inszeniert, gerade wenn Rockwell doppelt im Bild ist. Es sieht so aus, als spiele er an sich selbst vorbei. Dies fällt aber so gut wie nicht ins Gewicht, ein sehr kleiner Schnitzer.
Absolut makellos ist dagegen der Soundtrack, dessen simples Titelthema einem noch lange im Ohr bleiben wird. Die Verwendung von Klassischer Musik bedeutet erneut einen zwinkernden Verweis auf “2001”, in diesem Falle ist es Mozart, der die Schwerelosigkeit des Alls untermalen darf.
Neben der äußeren Handlung, die die Flucht einer der Klone auf die Erde vorbereiten soll, beschäftigt sich “Moon” mit der Frage, was ein originales, menschliches Leben ausmacht, mit der “Echtheit” (und damit dem Wert) von Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen, sowie mit dem philosophischen Problem, ab wann ein Leben schützenswert ist – und ganz am Rande auch mit der menschenverachtenden Gier multinationaler Konzerne.
Mit “Moon” ist Duncan Jones ein eigenständiger Beitrag zum Genre gelungen, wenn auch mit Versatzstücken der Klassiker garniert, der sich abseits von Action und Weltraumschlachten mit dem Wesen des Menschen beschäftigt, das dieser bei seinen Exkursionen durchs All und zu fremden Welten immer mit sich trägt. 8,5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 12.07.2013)
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