Nails – Cruel Behaviour

Nails – Cruel Behaviour

(Regie: Andrey Iskanov – Russland, 2003)

In “Nails” wird die Geschichte eines namenlosen, russischen Auftragskillers, welcher im Rahmen seiner brutalen Karriere immer mehr dem Wahnsinn zu verfallen scheint, behandelt. Eine einsame Seele, an einem Trauma leidend. Im Auftrag der Regierung erfüllt er die dreckigen Jobs, die sonst niemand machen will, ohne ein Wort der Klage oder lästige Fragen. Doch sein immer noch intaktes Gewissen schaltet sich langsam zu und lässt ihn halluzinieren, Stimmen hören, mit der aufkeimenden Angst kämpfen. Der Killer muss all das im Keim ersticken. Mithilfe von Nägeln…

Dass Kaufleute stets auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind und sich wenig um Hersteller und Konsumenten scheren, ist nicht erst wieder ins Bewusstsein der Menschen geraten, als diverse Lebensmittel verschmutzt und verseucht in den Supermärkten auslagen. Auch im Unterhaltungsbereich stößt man stets auf schlecht deklarierte Ware. Seien es die unbrauchbaren Laufzeitangaben auf der Coverrückseite oder falsche Informationen zu Bildformat und Tonspuren; daran hat man sich längst gewöhnt. Ein größeres Ärgernis ist die Verschleierung vieler Firmen, ob der vorliegende Film tatsächlich ungekürzt ist.
“Nails” ist ungekürzt. Dafür stimmen bei der deutschen Veröffentlichung unter dem Titel “Cruel Behaviour” weder die Bilder auf dem Cover der DVD, noch der angepriesene Originaltrailer mit dem russischen No-Budget-Experimentalfilm überein. Vielmehr scheinen sie aus einem anderen Werk des Regisseurs Andrey Iskanov zu stammen: “Visions of Suffering.”
Zusammen mit Hauptdarsteller und Soundtrackkomponist Alexander Shevchenko steckt er ebenso viel Kunst- wie auch Herzblut in seine Amateurproduktion, die laut DVD-Cover von “Tetsuo” und “Eraserhead” beeinflusst ist. Die erste Information, neben der Synopsis, die man halbwegs nachvollziehen kann.
Auch wenn die Optik manchmal billig anmutet und die Schauspieler in jeder Sekunde als Laien auszumachen sind, bietet Iskanov eine verstörende Atmosphäre, interessante Blickwinkel und verfremdete Bilder, fortgeschrittene SFX und einen passenden Soundtrack. Ihm liegt es nicht daran eine Geschichte zu erzählen, sondern einen Zustand darzustellen. Dabei wird deutlich, dass er sehr vom surrealistischen Kino und filmischer Psychedelia beeinflusst ist. Leider stimmen Ambition und Können nicht wirklich überein, so dass man manchmal meint den heißblütigen Ergüssen eines filmischen Anfängers ausgeliefert zu sein, der dauernd handwerkliche Fehler macht, aber auch immer wieder Genie aufblitzen lässt.
“Nails” ist sicher kein Film für einen gemütlichen Fernsehabend, sondern die einstündige Fingerübung, die Etüde eines höchst motivierten Anfängers, der die richtigen Vorbilder hat, jedoch noch diverse Kinderkrankheiten ausmerzen muss. Ich werde ihn im Auge behalten und bin gespannt, ob Iskanov diese Ungereimtheiten in den folgenden Filmen “Visions of Suffering” und “Philosophy of a Knife” beseitigen konnte. A vision from the sickodelic side of things. 6/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 21.05.2013)
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