The Card Player – Il Cartaio

The Card Player – Il Cartaio

(Regie: Dario Argento – Italien, 2004)

Ein Serienkiller treibt sein Unwesen in Rom und er hat einen neuen Ansatz entwickelt, um mit der Polizei zu spielen: er entführt seine Opfer und zwingt die Behörden mit ihm um das Leben der Geisel eine Partie Onlinepoker zu spielen. Falls er gewinnt, bringt er das Opfer vor laufender Kamera um, andernfalls läßt er sie wieder frei. Die Polizistin Anna Mari (Stefania Rocca) nimmt sich des Falls an und bekommt von den britischen Kriminalbehörden bald Verstärkung, als eine englische Touristin dem Killer zum Opfer fällt. John Brennan (Liam Cunningham) unterstützt sie, wo er nur kann, doch die Spiele gehen fast immer zu Ungunsten der Beamten aus. Also holt sich Anna einen Pokerprofi in Gestalt von Remo (Silvio Muccino) zur Hilfe, doch der Killer ist noch lange nicht am Ende, er hat sogar damit gerechnet, daß die Polizisten ihm langsam auf die Spur kommen…

Erinnern Sie sich noch an Dario Argento, den hageren Italiener mit dem seltsamen Haarschnitt (Frisur kann man das nun wirklich nicht nennen), der zuerst Filmkritiken verfasste und später am Drehbuch von “Spiel mir das Lied vom Tod” mitschrieb? Der mit “Profondo Rosso” den Giallo auf den Punkt brachte und mit “Suspiria” kurze Zeit später den Horror revolutionierte? Gut. Irgendwo entlang des Weges muss er sein Genie verloren haben. Vielleicht ist er auch nur alt geworden und ihm fehlen Lust und Kraft, um sich zu neuen Meisterwerken aufzuraffen. Im Bonusmaterial zu “Il Cartaio” spricht Argento davon, dass er die Welt des Thrillers verstehe und gerne in ihr lebe. Vielleicht ist ihm also auch die Neugier und das Staunen abhanden gekommen. Wer weiß.
Fest steht, dass “The Card Player” ein höchst konventioneller Krimi ist, den man zu 90 % nicht von den langweiligen Fernsehproduktionen unterscheiden kann, von denen man zur Prime Time auf allen Sendern belästigt wird.
Dabei hat Argento die alte Gang versammelt: Simonetti an der Mucke, Stivaletti am Gekröse. Für die nähere Verwandschaft (Fiore Argento, seine erstgeborene Tochter) und gute Bekannte (Fabrizio Bava, Sohn von Lamberto Bava, somit Enkel von Mario Bava) fielen ebenso ein paar Jobs ab. Nutzt im Endeffekt nicht viel, da Simonetti einen debilen Techno-Soundtrack kreiert, der hervorragend das bisschen Atmosphäre zerstört, das Argento in zwei, drei Szenen aufbauen kann und Stivaletti seine FX-Künste gar nicht erst auspackt, weil das Grausame fast vollständig off screen stattfindet. Er war vor allem an der Entstehung der Wasserleichen beteiligt, glitschige Gummipuppen, in denen man im Film einen wichtigen Hinweis auf den Täter findet.
Ein weiteres Manko ist die wahnsinnig “innovative” Idee, den Serienmörder online Videopoker gegen die Polizisten spielen zu lassen. Was im Fernsehen schon unerträglich ist (die Übertragung simpelster Kneipensportarten ), wirkt im Finale eines Kinofilms geradezu lächerlich – besonders, wenn es angekettet auf Zugschienen (!) geschieht. Zum Glück erhascht Argento vor diesem tumben Showdown noch ein kleines Fünkchen Inspiration und der Besuch und Tod eines Polizisten im Versteck des Killers erinnert zumindest ansatzweise an Argentos Stärken. Kurioserweise passiert hier auch der einzige Mord, den man zu Gesicht bekommt.
“Il Cartaio” ist ein durchschnittlicher Kriminalfilm, für Dario Argentos Talent aber eine ziemliche Katastrophe. Mich gruselt es jetzt schon vor seiner 3D-Umsetzung von “Dracula”. 5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 17.04.2013)
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