The Loved Ones – Pretty in Blood

The Loved Ones – Pretty in Blood

(Regie: Sean Byrne – Australien, 2009)

An der High-School steht der Abschlussball vor der Tür, und der langhaarige Brent ist schwer gefragt. Brent aber, der noch immer unter den Folgen eines traumatischen Autounfalls leidet, hat nur Gedanken für seine Freundin Holly, weshalb er der schüchternen Lola leider einen Korb geben muss. Lola jedoch ist keine, die sich mit einer Abfuhr abfindet. Denn Lola kriegt für gewöhnlich, was Lola will…

Die ganze Aufmachung von Front- und Backcover der DVD stimmen den Zuschauer auf einen Teenieslasher der härteren Gangart ein, versehen mit einigen Elementen der in den letzten Jahren ziemlich angesagten Folter im Horrorfilm (Wenn sich Vietnam dort niederschlägt, warum nicht auch Guantanamo?).
“The Loved Ones” stammt aber weder aus den USA, noch steht er in der Tradition der aseptischen Slasher für Heranwachsende aus Hollywood.
Neben dem unverkennbaren Aussie-Akzent, merkt man dies an der Zeichnung der Figuren, die filigraner ausfällt, als die der üblichen Klischeeplatzhalter im Slasher, wenn manchmal auch nur schnell hingetupft oder skizziert. Kein dämliches Teenagermaterial, dem man den schnellen Tod durch diverse Gartenwerkzeuge wünscht. Ebenso ist der Umgang mit Sex und Gefühlen weder standardisiert, noch von einer werberomantischen Künstlichkeit weichgezeichnet, sondern bemüht die Sterilität der Liebe im Kino hinter sich zu lassen.
Der Wahnsinn, der sich dann entfaltet, ist nicht unbedingt neu, sondern bedient sich hier und da bei anderen Filmen des Genres (“The Texas Chainsaw Massacre”, “Mike Mendez’ Killers”), bastelt aber genügend liebenswerte Details dazu (und einen beißenden Humor, der für einige wundervolle Szenen verantwortlich ist), dass man dies verzeihen kann. Der Gewaltgrad ist hoch, auch wenn Regisseur Sean Byrne dem Publikum nicht alles auf dem Silbertablett serviert. Zartbesaitete sollten die Finger von “The Loved Ones” lassen.
In der Regel halte ich eine kurze Laufzeit (nach ca. 75 Minuten beginnt hier der Abspann) für einen Vorteil von Slasherfilmen, die wenig Story beinhalten und die üblichen Genreeckpunkte abhaken. “The Loved Ones” bietet aber weit mehr als die oberflächliche Folterstory. Es geht ums Erwachsenwerden, die Loslösung von den Eltern, Liebe, Beziehung, Trennung und Schmerz und die Probleme, die die Welt der Eingefahrenen und Verwachsenen aufwirft und aufdrängt. Manches wirkt nur kurz angerissen. Auch Brents Gefangenschaft im Höllenloch und die Flucht daraus, sind in meinen Augen zu kurz geraten.
Dennoch ist “The Loved Ones” trotz seiner krassen Geschichte und übertriebener Brutalität ein so viel besserer Coming-of-Age-Film als die rosarotgefärbte Scheiße, die einem oft auf diesem Gebiet geboten wird. Byrne überlässt dem Zuschauer nämlich nur oberflächlich betrachtet ein Happy End: Die Konflikte innerhalb der Familie und die Traumata von Brent, die ganzen Fallstricke des Erwachsenwerdens, sind zum Schluss noch vorhanden, vielleicht sogar extremer als zuvor. Wenn man von Brent abrückt und den Focus mehr auf die weibliche Hauptperson Lola legt, bleibt einem immer noch die auf die “Realität” übertragbare Erkenntnis: Eifersucht ist eine Geisteskrankheit. 8/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 10.07.2013)
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