Alice, Sweet Alice

Alice, Sweet Alice

(Regie: Alfred Sole – USA, 1976)

Die 12-jährige Alice (Paula E. Sheppard) lebt bei ihrer geschiedenen Mutter. Eines Tages gerät die boshafte Einzelgängerin unter Mordverdacht, als ihre jüngere Schwester Karen (Brooke Shields) unter seltsamen Umständen ums Leben kommt. Mangels Beweisen wird gegen das Mädchen nichts unternommen, doch ein weiterer Zwischenfall, der beinahe das Leben ihrer Tante kostet, bringt Alice in eine Anstalt. Die Polizei ist davon überzeugt, dass das Mädchen eine unberechenbare Psychopathin ist…

Der Proto-Slasher, der zu VHS-Zeiten auch unter dem Titel “Communion: Messe des Grauens” in den Videotheken stand, verquickt christliches Gedöns mit sexuellen Untertönen und einer weiblichen Damien-Variante, die vom “wahren Täter” in Mrs.-Voorhees-Manier ablenken soll. Selbst die Irritation, die Regisseur Alfred Sole zum Schluss im Raum stehen lässt, wurde später von vielen Slashern übernommen, meist um die Hintertür für eine Fortsetzung offen zu lassen. Und dies ganze zwei Jahre vor “Halloween” und vier Jahre vor “Freitag, der 13.”.
Klingt also ganz gut, nicht? Leider ist “Alice, Sweet Alice” eher ein bieder abgefilmtes Kriminaldrama, das sich durch seine hysterische Story, sowie ein paar Mysteryelemente in den Vordergrund rücken will. Dazu kommt ein grässliches Overacting, ein Chargieren, dass einem der Mund offen stehen bleibt. Gerade die beiden Kommunionssequenzen sind ein Musterbeispiel an Schmierenkomödie und animieren zu lautem Lachen, wo “Alice, Sweet Alice” sich jederzeit bierernst nimmt.
Im Horrorbereich ist man eine dümm- und widerliche Figurenzeichnung gewohnt (z.B. gehen geistige Behinderungen so gut wie immer mit körperlichen Gebrechen einher), aber der adipöse und pädophile Vermieter mit Pissflecken auf der Jogginghose und kleinen Kätzchen als Gefährten schlägt selbst diesem Fass den Boden aus.
Nach ca. 75 Minuten präsentiert uns Sole dann auch den Täter, nun darf man sich über weitere 25 Minuten Auflösung freuen. Das gibt den erwachsenen Schauspielern die Möglichkeit noch mehr von ihrem Unvermögen preiszugeben, während die “Kinderstars” (unter ihnen Brooke Shields in ihrer zweiten Rolle) ihre Sache gut machen.
Der Gewaltfaktor ist moderat, die Mordtaten beziehen ihre besondere Faszination aber daraus, dass man ein kleines Mädchen für den Killer hält. (Oder auch nicht. Der aufmerksame Zuschauer hat nach einer halben Stunde einen unwiderlegbaren Verdacht. Der Fluch des Whodunit.)
Wer soll sich das nun angucken? Alle Slasher-Gourmands, die daran verzweifeln, dass sie die Genresuppe schon ausgelöffelt haben. Slashersurrogat für Slasherjunks auf Turkey. 5,5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 29.07.2013)
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