Der Affe im Menschen

Der Affe im Menschen

(Regie: George A. Romero – USA, 1988)

Nach einem Unfall ist Allan Mann querschnittsgelähmt. Zu seiner Hilfe im Haushalt bekommt er das Äffchen Ella gestellt, die die nötigen Aufgaben für ihn übernimmt. Doch Ella ist auch noch Teil eines intelligenzfördernden Experiments, das sie bald befähigt, die psychischen Zustände Allans wahrzunehmen und darauf zu reagieren, was sie dazu bringt, dessen düsterste Wünsche in die Tat umzusetzen…

In den USA gibt es tatsächlich eine Organisation namens “Helping Hands”, die seit 1979 trainierte Äffchen für körperbehinderte Menschen ausbildet. Dies scheint ein reizvolles Thema für Sitcoms und Cartoons zu sein; prominent taucht es unter anderem bei “The Simpsons”, “Malcolm In The Middle” und “King Of Queens” auf.
George A. Romero ist natürlich eher an der dunklen Seite der Geschichte interessiert und inszeniert einen Tierhorrorfilm mit Elementen des Rachethrillers und Beigaben aus dem “Mad Scientist”-Bereich der Science Fiction.
Wie auch bei seiner Kollaboration mit Dario Argento, “Two Evil Eyes”, herrscht hier der plumpe Charme der ausgehenden 80er vor, behäbig in Szene gesetzt und nur durch die Telepathie-Sequenzen aufgelockert. Was zunächst noch stört und unangenehme Gedanken an Soap Operas aus dem US-TV aufkommen lässt, ist später die bereitete Bühne für die Racheausbrüche und Wutanfälle des Protagonisten. Sehr effektvoll, wenn er plötzlich wütend und fluchend, wild grimassierend über seine Liebsten herfällt, wo kurz zuvor alles noch Friede, Freude, Eierkuchen war.
Der eigentliche Star in “Monkey Shines: An Experiment In Fear” (Originaltitel) ist aber Ella, die von einem Kapuzineräffchen namens Boo gespielt wird, das aus dem genannten “Helping Hands”-Programm stammt und dem die Tiertrainer eine breite Palette an “Tricks” beibrachten. Sogar das Minenspiel Boos ist effektvoller als von so manchem menschlichen Schauspielkollegen – von wegen “monkey see, monkey do”!
Der ursprünglich ab 18 freigegebene Film, der nach einer Neuprüfung mittlerweile eine FSK 16 bekommen hat, zeigt nur wenig Gewalt und kämpft mit den üblichen Problemen, wenn ein kleiner, tierischer Gegner einen Menschen angreift: Es sieht schnell herzig aus. Dazu kommt das Problem von Doppelgängern aus der Muppet-Werkstatt, die man trotz des schnellen Schnitts ausmachen kann. (Das Ende von Ella ist dann nochmal etwas Besonderes und schwankt zwischen widerlich und zum Schreien komisch.)
Kurios finde ich die Beteiligung der “Helping Hands”-Organisation an diesem Film, wirft er doch ein sehr schlechtes Licht auf deren Arbeit bzw. deren Tiere, auch wenn man im Film extra noch den “Junkie”-Nebenplot mit den intelligenzfördernden Experimenten und Spritzen eingebaut hat.
“Der Affe im Menschen” ist ein spannender Horrorthriller mit einem hochbegabten, tierischen Hauptdarsteller, der George A. Romero mal anders zeigt, als wir es gewohnt sind: Hier steht nicht gleich die ganze Menschheit zur Disposition, sondern ein vom Schicksal gebeutelter Mensch, dessen Frust, Hass und Verzweiflung der Zuschauer auch dank Romeros Inszenierung nachvollziehen kann. Ist das wichtig? Nicht unbedingt, denn wir wollen den mordenden Affen sehen! “Once there was a man whose prison was a chair. The man had a monkey, they made the strangest pair. The monkey ruled the man, it climbed inside his head. And now as fate would have it, one of them is dead.” 7,5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 15.08.2013)
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