Die Körperfresser kommen

Die Körperfresser kommen

(Regie: Philip Kaufman – USA, 1978)

San Francisco wird von tückischen Lebewesen heimgesucht. Sie zerstören die Psyche und fressen den Körper. Ihr grausamer Terror breitet sich unaufhaltsam aus. Der Gesundheitsforscher Matthew Bennell erkennt als erster: Eine tödliche Saat aus dem All bedroht alles Leben auf der Erde…

Als der kürzlich verstorbene Scott McKenzie “If you’re going to San Fransciso, be sure to wear some flowers in your hair” sang, meinte er sicher etwas anderes, als die rasch voranschreitende Invasion einer außerirdischen Lebensform in Philip Kaufmans “Invasion of the Body Snatchers” (Originaltitel), einem Remake des Films “Die Dämonischen” von Don Siegel, der auf der Romanvorlage “The Body Snatchers” aus dem Jahr 1954 von Jack Finney fußt.
Die Idee einer emotionslosen, völlig gleichgeschalteten Gesellschaft, die willfährig die Befehle ihrer Führer ausführt, liegt in den frühen 50er Jahren auf der Hand. Gerade hat man in Europa die Nationalsozialisten in Schutt und Asche gebombt, da steht der Stalinismus der UdSSR in voller Blüte und die hysterische McCarthy-Kommunistenhatz in den USA steuert auf ihren Höhepunkt zu.
Die beiden großen, konkurrierenden Systeme der Menschheit, Kapitalismus und Kommunismus, sind infiltriert von Angst, Hass, Misstrauen und Gewalt. John Doe bzw. Otto Normal verspricht sich ein sorgenfreies Leben durch einen hohen Grad von Konformität.
Dies greift Kaufman in “Die Körperfresser kommen” auf und destilliert daraus ca. zwei Stunden feinste Kinounterhaltung. Dabei kommt ihm zugute, dass er und sein Kameramann Michael Chapman eine Neigung zu ungewöhnlichen Kameraschwenks, -zooms, -winkeln und -fahrten haben. Auch die farbliche Gestaltung ist ausgeklügelt, ebenso die ausgesuchten Schauplätze und deren Architektur. Dies hebt “Die Körperfresser kommen” deutlich von anderen Unterhaltungsfilmen des Sci-Fi-Genres ab.
Schön ist auch der Mut zu drastischen Bildern bzw. Sounds, wenn der Regisseur es für nötig hält. “Invasion of the Body Snatchers” ist kein brutaler Film, wenn die Hauptfigur aber einem “Klon” seiner selbst den Schädel einschlägt, verfehlt diese Szene nicht die beabsichtigte Wirkung und liegt noch lange über den nachfolgenden Einstellungen.
Die Musik von Denny Zeitlin, einem Jazzpianisten, ist meist funktionell und stimmig, ein paar kleine Spielereien im Sounddesign auf der Tonspur lassen immer mal wieder aufhorchen.
Auch an prominenten Gesichtern mangelt es nicht: Donald Sutherland spielt die Hauptrolle, Jeff Goldblum einen Dichter und Leonard Nimoy (für alle Zeiten als “Spock” gebrandmarkt) den merkwürdigen Psychiater Dr. Kibner.
Kaufman lässt den Zuschauer lange im Ungewissen und stachelt so dessen eigene Paranoia an. Man versucht das Verhalten der Menschen im Film zu analysieren. Wer ist schon infiltriert, wer noch ein Freund? Reicht dazu ein emotionsloser Gesichtsausdruck und das auf den ersten Blick ziellose Umherirren oder fällt man seinen eigenen Vorurteilen zum Opfer?
Das nihilistische Ende (das – der Herr sei gepriesen! – nicht als Explosionsfeuerwerk im Gewächshaus stattfindet, wie zuerst von mir vermutet) bietet einen gelungenen “scare jump”, bei dem man nicht recht weiß, ob man nun lachen oder weinen soll. Wenn jedoch die grundlegende Erkenntnis “The function of life is survival” zutreffen sollte, dann ist das Schicksal der Menschen ein gerechtes. 7,5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 02.08.2013)
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