Chillerama

Chillerama

(Regie: Adam Green/Joe Lynch/Tim Sullivan/Adam Rifkin – USA, 2011)

Menschenfressende Killerspermien, schwule Werwölfe, sexbesessene Zombies und ein Frankenstein-Monster von Hitler persönlich geschaffen, das sich als Jude herausstellt. Chillerama ist die ultimative Hommage an das Grindhouse-Kino. Als sich ein paar Freunde in einem Autokino treffen um einen Horrorfilm-Marathon zu sehen, ahnen sie nicht, dass sich direkt unter den Gästen eine Zombie-Epidemie ausbreitet, die in einem ultimativen Massaker endet…

Die Horror-Fanboys Adam Green (“Hatchet”), Joe Lynch (“Wrong Turn 2”), Tim Sullivan (“2001 Maniacs”) und Adam Rifkin (“Detroit Rock City”) tauchen mit “Chillerama” in die Vergangenheit des Science-Fiction- und Horrortrashs ab und legen eine zitatenreiche Anthologie vor, die ihren visuellen Stil aus den Vorbildern der Filme der 50er, 60er und 70er Jahre bezieht, aber auch deutliche Anleihen bei den Heftchen von E.C. Comics macht.
“Chillerama” ist ein ständiges Zitieren, und wenn nicht gerade ein offenkundiges Zitat, dann eine heftige Parodie. Dies wird im Finale auf die Spitze getrieben, wenn Richard Riehle (in seiner Rolle als Cecil Kaufman, die auf die Produzenten und Regisseure Cecil B. DeMille und Lloyd Kaufman verweist) sich schwer bewaffnet durch kopulierende Zombiemassen kämpft und dabei populäre Einzeiler aus allen erdenklichen Filmen aufsagt. Von “Citizen Kane” bis “Scarface” ist alles vertreten, was einen Namen und – wichtiger – Kultstatus hat.
Der erste Beitrag, der an diesem denkwürdigen Abend im Autokino läuft, ist “Wadzilla”. Man kann schon vom Titel darauf schließen, was hier parodiert wird und sich vorstellen, wie das Ganze aussieht. Putziger 50er Jahre-SciFi-Trash mit einem Riesenspermium, das New York bedroht. (Eigentlich kein schlechter Gedanke. Wenn Japan sich durch die Atombombe bedroht fühlt und daraufhin Godzilla schafft, darf die prüde US-Gesellschaft der 50er sich richtigerweise vor Sex und Schwangerschaft fürchten. Ein Wink mit dem Zaun, statt mit dem Zaunpfahl, wäre ein kommunistisches Spermium gewesen.)
Weiter geht’s mit “I Was A Teenage Werebear”, der schwächsten Episode von “Chillerama”, die aus der Idee entstand, wie es wohl wirken würde, wenn sich ein schmaler Jüngling in Ron Jeremy verwandelt. Also haben wir hier schwule Werbären (“bear” bezeichnet im schwulen Jargon einen kräftigen, behaarten, älteren Mann), die an einem Surferboy-College der frühen 1960er in Kalifornien ihr Unwesen treiben – inklusive der unvermeidlichen Songs, inspiriert von Vor- und Grundlagen wie “Westside Story” und “Grease”.
Zwischendurch entwickelt sich die Zombieinvasion im Autokino, die die anderen Teile der Geschichte “zusammenhält”. Deren Protagonisten sind filmerfahrene Kids, die sich im Zitateraten und Schauspielerverlinken üben.
Der Titel der folgenden Episode trieb mich dazu die DVD zu kaufen und den Film sehen zu wollen: “The Diary of Anne Frankenstein”. Im Bonusmaterial erfährt man, dass der Titel zuerst da war und man die Story um ihn herum schrieb.
Leider wird das Potential nicht ausgeschöpft und so erhält man eine mal mehr, mal weniger amüsante Nazi-Klamotte, die sich stilistisch leicht an den expressionistischen Meisterwerken des deutschen Films orientiert und natürlich auch ausgiebig “Frankenstein” parodiert. Hitler darf singen, wird aber abgewürgt (und setzt seinen Song im Abspann fort). Das jüdische Monster (gespielt von Kane Hodder) tötet per Dreidel. Die Nazis sprechen im O-Ton perfektes Deutsch, nur Hitler bedient sich der Fantasiesprache, die sich Charlie Chaplin für seinen Film “Der große Diktator” ausgedacht hatte. (Hin und wieder kann man auch bei ihm einen “geraden” Satz erkennen: “Ich habe Würmer in meinem Schwanz.”)
Das Finale steigt wieder zwischen den Besuchern des Autokinos und erhöht das Sex-und-Gewalt-Level noch einmal drastisch: Abgebissene Penisse und Sex mit abgetrennten Extremitäten dürfen natürlich nicht fehlen.
Zugegeben: Viel Fäkalhumor (Erwähnte ich bereits “Deathication”? Lautmalerei, Überraschung!) und flache Sexwitzchen machen “Chillerama” aus; kurioserweise fallen diese aber nicht so sehr ins Gewicht, wie sie das für gewöhnlich tun sollten.
Es bleibt eine knallbunte Wundertüte voller Plastikspielzeug, die jeden unterhalten dürfte, der mit (gewolltem) Trash dieser Art etwas anfangen kann. 6/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 20.11.2013)
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