Im tiefen Tal der Superhexen

Im tiefen Tal der Superhexen

(Regie: Russ Meyer – USA, 1979)

Das Hauptproblem der Hauptfigur ist die Tatsache, daß er beim Verkehr mit seiner Angetrauten immer nur den “rear window entrance” findet. Geheilt wird er von einer Radio-Evangelistin, die über den Äther eindeutige Zweideutigkeiten predigt. Ihre Therapie findet in einer Badewanne statt und wird selbstverständlich live übertragen…

Russ Meyer war ein Perfektionist. Von super zu mega, von mega zu ultra. In seinen frühen Filmen legte er vieles an, was er ab “Vixen!” mit jedem weiteren Film verfeinerte und mit “Up!” zur Meisterschaft führte.
“Im tiefen Tal der Superhexen” deshalb nur als Nachklapp zu sehen, wäre eine grobe Fehleinschätzung, ist er Meyers Meisterwerk “Up!” doch nicht nur ebenbürtig, sondern in Nuancen ausgefeilter und zwingender. Ein Mann auf dem Höhepunkt (no pun intended) seines Schaffens, der genau weiß, wo die letzten Pinselstriche sitzen müssen, wenn er sein Meisterwerk endlich malt.
Dies bringt mit sich, dass die Farben des Malkastens dem Publikum schon bekannt sind: Titten, Schwänze, übertriebener Sex und Nazi-Anspielungen dürfen nicht fehlen.
Im Gegensatz zu den Vorgängern, ist der gesellschaftskritische Kommentar in “Beneath The Valley Of The Ultra-Vixens” (Originaltitel) wieder deutlicher vernehmbar. Überhaupt ist er ein äußerst geschwätziger Film, den man aber nicht so empfindet, weil Meyers eindrucksvolle Kamera, die fordernden Perspektiven und der Schnitt einen starken Kontrapunkt zu all den Worten bilden.
In “Im tiefen Tal der Superhexen” treffen wir auf Ex-Nazi Martin Bormann wieder, der (ähnlich wie Hitler in “Up!”) in einer Art Exposition seine sexuellen “Macken” ausleben darf. Während das Klavier Nazimärsche spielt und sich die dickbrüstige Evangelistin mit dem Telespiel Pong beschäftigt, entkleidet sich Bormann, um sich mit einer Erektion in einen Sarg zu legen, nicht ohne zuvor das Gesicht mit einer Maske zu bedecken, die an den Ku-Klux-Klan erinnert. Ein klassischer Meyer-Moment: Ein geiler Nazi wird von einer mit riesigen Möpsen ausgestatteten Christenblondine in einem offenen Sarg zu Marschmusik gefickt. Hallelujah! Die Erlösung lauert zwischen den Radiowellen in Form von Sex.
Was Meyers vorletztem Film einen weiteren, hauchdünnen Vorsprung vor “Up!” gibt, ist das erhöhte Tempo, welches heutigen Sehgewohnheiten durchaus entgegenkommt. Ich behaupte, dass “Beneath The Valley Of The Ultra-Vixens” auch ohne die Sensation der Ultra-Oberweiten auskommen würde, ohne natürlich Charme und Schönheit von Kitten Natividad verleugnen zu wollen. Der Film funktioniert durch all seine kauzigen Charaktere auch auf der komödiantischen Ebene, die ganzen Exploitationsmomente bräuchte es nicht. “Im tiefen Tal der Superhexen” ist also das, was der in der Blockbuster-Schlange-Stehende als “richtigen Film” bezeichnen würde. Komischerweise ist es das freizügigste von allen Russ Meyer-Werken.
Hier – in Smalltown, USA – endet die Hochzeit dieser sehr eigenen, künstlerisch versponnenen und super unterhaltsamen Busenfilme. Oder wie Lavonia es zu Beginn Lamar entgegenschreit: “Du wirst mich nie mehr in den Arsch ficken!” 9/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 19.01.2014)
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