Russ Meyer’s Megavixens

Russ Meyer’s Megavixens

(Regie: Russ Meyer – USA, 1970)

Sheriff Harry braucht Geld für seine ertraglose Silbermine und ist deshalb für den Gangsterboss Mr. Franklin im Drogengeschäft aktiv. Ebenso “mucker” ist der kantige Cop, wenn es um die Reize der beachtlichen blonden Hure Raquel und seiner nicht minder gesegneten Freundin Cherry geht. Im Auftrag von Franklin soll Harry den Drogenkurier, von allen nur Apache genannt, beseitigen. Der aber schneidet zuerst einmal Franklin die Kehle durch und tötet den mexikanischen Deputy des Sheriffs. Während sich Harry und der Apache beim Showdown gegenseitig erledigen, wissen es sich die Mädels Raquel und Cherry auf gemütlichere Weise zu besorgen.

Auch wenn die deutschen Titel es nahelegen, haben Russ Meyers “Vixen”-Filme keinen inhaltlichen Zusammenhang oder sind gar Teil einer Reihe oder Serie. Das “Mega” in “Megavixens” ist aber durchaus treffend, da sich Meyer hier gegenüber “Vixen!” noch einmal deutlich steigern konnte
Nicht nur die Brüste der Darstellerinnen sind größer geworden, die Musik ist durch leichte Funk- und Souleinflüsse ebenfalls noch einen Tick aufregender und im Finale gibt es ein kleines, übertriebenes Blutbad zu sehen. Der Mangel an Plot ist selbstverständlich Nebensache (obwohl ein gewisser Tom Wolfe am Drehbuch mitarbeitete…) und wird vom Regisseur sowieso durch die burlesk-surrealistisch anmutenden Szenen mit der großartigen Uschi Digard (in schwarzen Overknee-Stiefeln) torpediert, die in den Handlungsverlauf hineingeschnitten werden und nicht nur wegen der vollbusigen Schwedin echte Hingucker sind. Künstlerischer Anspruch in einem Trash-Streifen? Russ Meyer behauptete selbst, er wäre ein Ausnahmeregisseur geworden, wenn er sich nicht so sehr für dicke Titten interessiert hätte.
Neben den Vorzügen seiner “chicks” nutzt er den Western-Topos für sich und punktet erneut mit der exzellent inszenierten Kamera und dem pulsierenden, treibenden Schnitt. Zusätzlich setzt er ein paar Spitzen gegen den “american way of life”, diese sind aber nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen.
Der 2011 verstorbene Charles Napier hat in “Cherry, Harry & Raquel!” (Originaltitel) seinen ersten “großen” Leinwandauftritt, folgend auf seine Fernseherfahrung bei “Raumschiff Enterprise” – und darf auch gleich blankziehen. Im Gegensatz zu vielen von Meyers weiblichen Akteuren, die später oft Hardcore-Filme drehen sollten, schaffte Napier den Sprung in große Hollywood-Produktionen wie “Blues Brothers”, “Rambo II”, “Das Schweigen der Lämmer” oder “Philadelphia”.
Im Grunde ist “Megavixens” also eine gelungene Weiterentwicklung von “Vixen!”, wenn auch weniger gesellschaftskritisch. Die Anknüpfpunkte zu Russ Meyers Meisterwerk “Up!” sind deutlich erkennbar, aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig ausgereift. Großartiges und mehr große Brüste sollten folgen. 7/10

Ausschnitt

(Zuerst veröffentlicht bei hhp-hangover.de am 08.12.2013)
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