Russ Meyer’s Supervixens

Russ Meyer’s Supervixens

(Regie: Russ Meyer – USA, 1975)

Als sich der junge Clint einmal seiner nymphomanischen und vollbusigen Freundin Angel verweigert, beginnt diese aus Trotz mit dem sadistischen Polizisten Harry einen Flirt. Da Harry auf ihre Reize wegen seiner Impotenz nicht reagieren kann, und sie ihn deswegen verspottet, bringt er sie kurzerhand um und schiebt ihrem Freund Clint den Mord in die Schuhe, der daraufhin trotz Unschuld flüchtet.
Auf seiner Flucht begegnet Clint überwiegend sexhungrigen und extrem vollbusigen Frauen, von denen er ständig bedrängt wird, aber auch vielen sadistischen bösartigen Männern, ähnlich wie der Polizist Harry. An einer abgelegenen Tankstelle trifft er die schöne Super-Angel, die seiner toten Frau sehr ähnelt.
Doch da taucht plötzlich Harry wieder auf, bis an die Zähne bewaffnet, mit Gewehren und Dynamit…

Um den Tod des Nationalsozialisten Martin Bormann gab es bis zur Entdeckung seiner Leiche 1972 eine Menge Gerüchte. Viele glaubten, dass dem Leiter der Parteikanzlei der NSDAP die Flucht gelungen sei und er nun in einem anderen Teil der Welt (wie etwa Josef Mengele in Südamerika) lebe.
Russ Meyer lässt Martin Bormann als Tankstellen- und Werkstattsbesitzer im Südwesten der USA auftreten, dem man seine Herkunft nicht unbedingt anmerken würde, führe er nicht mit laut schmetternder Nazi-Marschmusik (“Heil Hitler Dir” des Komponisten Bruno Schestak) in seinem Truck umher.
Auch sonst bietet “Supervixens” (neben den Nazi-Anspielungen) viele Ideen der vorherigen Filme Meyers, aber in einer technisch versierteren und auf die Spitze getriebenen Ausführung.
Der Gewaltanteil wurde deutlich erhöht, erdrückt aber weder die lustigen, noch die erotischen Szenen. Viel direkter und eindeutiger wird auf Sadismus und Impotenz, sowie deren mögliche Wechselwirkung hingewiesen. Der Bösewicht ist ein mieses, impotentes Schwein, das (natürlich) für die Polizei arbeitet. Innerhalb zweier Filme wechseln die Sympathien von der Staatsgewalt zum Outlaw. Der Polizist wird in “Megavixens” und in “Supervixens” von Charles Napier gespielt, beide Charaktere jeweils am Rande der Parodie.
Die Rolle des sadistischen, impotenten Bullen ist mit einem Augenzwinkern angelegt und daher nie furchteinflößender als ein “James Bond”-Bösewicht. Es gibt jedoch einen verstörenden Moment im Film, der die “Wir machen doch alle nur Spaß/Nudge-Nudge”-Ebene verlässt: Wenn Harry Angel in der Badewanne zu Tode prügelt und tritt, ist dies eine Szene, die einem ernsthaften Horrorschocker zu Ehre gereichen würde. Glücklicherweise löst Meyer dies in einem “comic relief” auf und reicht den endgültigen Tod per Kofferradio (und blauen Blitzen) nach.
Die Mädels aus früheren Filmen sind wieder mit von der Partie und der Zuschauer darf sich auf ein Wiedersehen mit Uschi Digard und Haji, die leider im August 2013 verstarb, freuen. An der Inszenierung der XXL-Oberweiten hat sich nichts geändert, neu sind die vermehrten Penis-Shots, die mal echte Schwänze und mal nur seltsame Riesennachbauten präsentieren.
“Supervixens” könnte man die Essenz des Unterhaltungsfilms nennen, er fährt alles auf, was man in Action-Blockbustern Hollywoods zu sehen bekommt, lässt aber die moralische Heuchelei beiseite und zeigt mit einer großen Portion Ironie Titten, Schießereien, Verfolgungsjagden, Explosionen, Sex, Sadismus und Gewalt – ohne sich um eine Motivation dafür zu kümmern. Der Zuschauer soll genau das bekommen, wofür er bezahlt hat. 8/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 15.12.2013)
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