Russ Meyer’s Up!

Russ Meyer’s Up!

(Regie: Russ Meyer – USA, 1976)

Der Altnazi Adolph Schwartz (Edward Schaaf), der für seine Vorliebe für Orgien und extreme SM-Praktiken bekannt ist, wird ermordet in der Badewanne seines Schlosses aufgefunden. Der ortsansässige Sheriff Homer (Monty Bane) bleibt jedoch untätig und vernascht lieber diverse Verkehrssünderinnen, die er ertappt hat. Als die kurvenreiche Agentin Margo Winchester (Raven De La Croix) in den Ort kommt, wird sie vom Sheriff dabei beobachtet wie sie einen Mann tötet, der sie vergewaltigen wollte. Der Sheriff sieht von einer Bestrafung ab, nachdem Margo und er sich anderweitig “einigen“ konnten. Im Ort angekommen, fängt Margo als Bedienung im örtlichen Diner an und sorgt mit ihren Reizen für großes Aufsehen. Schon bald beginnt sie mit der Suche nach dem Mörder von Adolph Schwartz und bemerkt schnell, dass kaum ein Anwohner der ist, für den er sich eigentlich ausgibt…

Adolph Schwartz ist natürlich niemand geringeres als Adolf Hitler, der mitten im Südwesten der USA ein verschneites Schloss Neuschwanstein bewohnt, das er mit einem SM-Keller ausgestattet hat. Dort lässt er es sich von einer illustren Dienerschar besorgen, die sich aus Männlein und Weiblein zusammensetzt und von Facesitting bis Analsex alles durchzieht, was dem Führer Lust bereitet.
Wenn Adolf Schwartz/Hitler zu den Klängen des Horst-Wessel-Lieds von einem sehr gut bestückten Herrn in den Arsch gefickt wird, mag dies nicht sonderlich originell sein, die Szene verfehlt aber kaum ihre Wirkung. (Und war sicher ein Vorbild für die Idee in “Little Nicky”, dass Hitler jeden Tag um 16 Uhr in der Hölle eine Ananas in den Nazihintern geschoben wird.)
Viel spannender finde ich dagegen das Interieur des Schlosses: Hitler lebt in der knalligsten 70er Jahre-Einrichtung, die man sich vorstellen kann. Vom Teppich bis zum Bademantel des Führers, ein Traum in Blau und Orange, den man aus heutiger Sicht nur noch scheußlich finden kann.
Manche Dinge ändern sich jedoch nie: Echte Nazis lesen “Die Zeit”, so auch der Führer in seinem gefliesten Badezimmer. Dort fällt er einer heimtückischen Attacke zum Opfer, die im Stile des italienischen Giallo ausgeführt wird. Der Täter ist nicht zu erkennen, prominent und fetischisiert ins Bild gesetzt wird nur ein Paar schwarze Handschuhe. Diese führen aber keine Klinge, wie sonst üblich, sondern halten einen Piranha in einem Goldfischglas, der sodann in des Führers Badewasser gekippt wird. “Ich habe diese Dinger schon ganze Kühe abnagen sehen!” gehören zu den letzten Worten des GröFaZ. Übrig bleiben nur Knochen und blutiger Schaum.
Und dies waren erst die einleitenden zehn Minuten des Films!
Im Folgenden “stepped” Russ Meyer sein “game up” und inszeniert wieder riesige Oberweiten, gigantische Schwänze und übertriebene Kopulation in Verbindung mit einer augenzwinkernden Kriminalgeschichte, die er von einem griechischen Chor (gespielt von Kitten Natividad) kommentieren lässt und zum Schluss alles in Nazi-Inzest auflöst. Hurra!
Russ Meyers Werke sind keine Hardcorefilme, trotzdem macht er sich die Nahaufnahmen des Pornos zu eigen. Er stilisiert kleinste Details in Natur und Technik zu Penis und Brust und beutet sie durch Großaufnahmen aus.
Sämtliche Szenen in “Up!” wirken viel ausgereifter, durchdachter und stimmiger komponiert, als noch in den Vorgängern wie “Vixen” oder “Megavixens”.
Auch die Darsteller glänzen sowohl mit ihren körperlichen Vorzügen (zumindest die Frauen, alle Männer tragen hingegen Penisprothesen), als auch mit ihrer Darbietung.
In einer gerechten Welt wäre “Up!” längst im Filmkanon neben “Citizen Kane” und “The Godfather” zu finden. Man muss ihn einfach lieben. 9/10

Ausschnitt

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 05.01.2014)
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