Zombie Lake

Zombie Lake

(Regie: Jean Rollin – Frankreich/Portugal/Spanien, 1981)

Zur Zeit des 2. Weltkrieges stationierte man Truppen der deutschen Wehrmacht in einem kleinen französischen Dorf. Durch einen Hinterhalt werden sie von den Franzosen über den Haufen geschossen und in einem kleinen See versenkt. 40 Jahre später steigen sie, von Rache getrieben, als Zombies aus dem Wasser. Eine grausame Zeit voller Angst und Schrecken beginnt für die Bewohner des Dorfes …

“Der Sumpf der lebenden Toten”, so die deutsche Übersetzung des französischen Originaltitels “Le lac des morts vivants”, ist tatsächlich ein Sumpf. Das beginnt damit, dass bis heute nicht genau geklärt wurde, wer die Dreharbeiten zu diesem zusammengestümperten Werk in die Wege leitete (fest steht nur, dass Jean Rollin sie beendete – und auch für den größten Teil des Films geradestehen musste), geht weiter über die darstellerischen Leistungen, die eine Katastrophe sind, und endet mit Special FX, die diesen Namen nicht verdienen.
Nun hatte die zeitgenössische Kritik für Regisseure wie Lucio Fulci oder eben Jean Rollin nicht einen Funken Verständnis, dem gewöhnlichen Kritiker fehlte das Auge für die außergewöhnlichen visuellen Einfälle, die im amerikanischen Erzählkino à la Hollywood keinen Platz hatten. Rollins surrealistisch-erotische Vampirmären oder Fulcis Zombiefilme sind ein experimenteller Spielplatz für ungewöhnliche Stimmungen, Looks und Sounds. Beide Regisseure haben auch ein Händchen dafür, ländliche Dorfgemeinschaften des Süden Europas auf der Leinwand abzubilden, etwas, das in Fulcis “Don’t Torture A Duckling” oder “Les raisins de la mort” von Rollin ganz vorzüglich geschieht.
“Zombie Lake” wirkt jedoch über weite Strecken so, als habe der Regisseur versucht alle Vorurteile, die ihm die Kritik entgegenbrachte, zu bekräftigen. Man wird den Verdacht nicht los, der ganze Nazi-Zombie-Humbug würde nur inszeniert, um nackte, junge Mädchen bzw. deren Brüste und Venushügel abzufilmen.
Dabei gibt es sogar ein paar nette Szenen, die grundsätzlich mit dem Gewässer zu tun haben. Sobald die Kamera sich unter Wasser bewegt, ist “Zombie Lake” ein viel besserer Film. Wenn man darüber hinweggehen kann, dass diese Einstellungen, die in einem See (oder besser Sumpf) spielen sollen, in einem Schwimmbecken eingefangen wurden (dies kann man auch als surrealistische Verfremdung betrachten), ist dies nicht nur hübsch anzusehen, sondern kommt den poetisch-schlafwandlerischen Tableaus aus Jean Rollins Meisterwerken noch am ehesten gleich.
Das Make-Up der Zombies ist eindeutig von George A. Romeros “Dawn Of The Dead” inspiriert, nur eben in einer leicht misslungenen grünen Ausführung. Überhaupt läuft hier einiges neben der Spur. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ewige “Rein mit den Kartoffeln (in den See), raus mit den Kartoffeln (aus dem See)” mit eben jener komischen Wirkung, die viele Aktionen im Film ausmacht, geplant war. Völlig abstrus wird es dann, wenn im Finale ein brennender Zombie seine Zähne bleckt und wie ein zufrieden grinsender Vollidiot im Bild rumsteht. (Auf dem Backcover der DVD mit dem Satz beworben: “Green-faced nazis who are aroused to action!”)
Ich bin kein Freund von kleingeistiger Storyzerpflückung, gerade, wenn es um den phantastischen Film geht. Wenn aber eine Französin zum Ende des Krieges geschwängert wurde, müsste ihr Kind zu Beginn der 1980er Jahre doch ein wenig älter als zwölf Jahre alt sein, oder? Von dem käsigen Vater-Tochter-Abschiedsgedöns ganz zu schweigen.
Der Typ, der sich die Credits für Special FX hat geben lassen (Michael Nizza), verdient eine besondere Erwähnung: Mutig! Etwas rote Farbe aus dem Mund eines grüngeschminkten Wehrmachtssoldaten laufen zu lassen, dabei den Vampirbiss (der Zombies!) mit lustlosen Halsknabbereien zu mimen, ist schon besonders einfallslos.
Die Musik kann hier ebenfalls nicht mehr viel retten, auch wenn sie ihre Momente hat – und zwar immer dann, wenn der Softpornomuzak aussetzt und man zu den Zombieszenen kommt. Auffälligerweise findet fast der gesamte Film tagsüber statt, was dem in der Nacht abgehaltenen Finale einen kleinen Vorteil gibt. Nach dem Abspann könnte man meinen, einen besseren Film gesehen zu haben, als den, der tatsächlich lief. Kurios. Gibt es einen wirklich guten Film zum Thema Nazizombies? 4/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 24.11.2014)
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