Poltergeist 3D

Poltergeist 3D

(Regie: Gil Kenan – USA, 2015)

Eine US-amerikanische Kleinstadtfamilie zieht aufgrund finanzieller Probleme der Eltern und der Arbeitslosigkeit des Vaters in ein neues Haus. Bald häufen sich unerklärliche Phänomene, die vor allem der Sohn der Familie wahrnimmt. Keiner der Erwachsenen nimmt ihn für voll, bis das Nesthäkchen der Familie, ein kleines Mädchen, in einer fegefeuerähnlichen Dimension verschwindet – und durch den Fernseher um Hilfe fleht…

Meine Kinobesuche sind äußerst rar. Zuletzt sah ich eine durch das Kölner Label Bildstörung realisierte Wiederaufführung meines Lieblingsfilms “The Holy Mountain” in den kleinen Räumlichkeiten am Hansaring in Köln, die sonst für die Veranstaltungsreihe “Something Weird Cinema” genutzt werden. Zuvor (Jahre zuvor!) war ich für das Desaster einer kompletten Gruppe Kinogänger verantwortlich, weil ich darauf bestand, das Remake von “Friday The 13th” zu sehen. Eine üble Gurke vor dem Herrn.
So, here we go again: Wieder ein Schulhofklassiker der 80er und 90er, wieder ein Remake, diesmal in “besessenem” 3D, wie das Werbeplakat quäkt. Dazu noch produziert von Sam Raimi, verantwortlich für die “Spiderman”-Scheiße in Trilogieform und sagenumwobenes Mastermind hinter “Tanz der Teufel”; einem der Filme, die in den Schulpausen in einem Atemzug mit “Friday The 13th” oder eben “Poltergeist” genannt wurden.
Ich bin ein Sprössling der Videotheken und ich ziehe diese dem Kinosaal vor, wie ich den Plattenladen dem Konzertsaal vorziehe. Ihr kennt das Klischee über das Publikum in Filmpalästen und heute waren sie alle anwesend, live und in Farbe ihrer flackernden Displays. (Der Film ist neu, es war ein Sonntagabend, ok, ok…ich weiß, ich bin selbst schuld!)
Interessanterweise ist dies aber auch eine der spürbaren Veränderungen zu Tobe Hoopers (oder Steven Spielbergs?) Original von 1982: Man tritt hochgerüstet mit einem Haufen Unterhaltungselektronik gegen die umherstreifenden, nicht erlösten Seelen an. Im ursprünglichen Film reichte dazu ein Fernseher und ein verhutzeltes Medium, wenn ich mich recht entsinne.
Trotzdem war auch schon der Hooper/Spielberg-“Poltergeist” ein Effektfilm, ja, ein Gimmick-Streifen. Die Neuauflage ist dann auch nicht so sehr ein Remake, als eher ein technisches Update der ursprünglichen Version. Die Story hält sich fast sklavisch ans Original, die Schauplätze und Schocks sind bekannt. In wenigen Situationen würzte man ein bisschen nach, um “Poltergeist” aktueller erscheinen zu lassen, als er wirklich ist. Herausstechend war da für mich eine Szene, die man im japanischen Mainstreamhorror seit Jahren sehen kann. Ich wusste, was kommt, ich habe mich trotzdem erschrocken.
Das ist ein weiterer Nachteil der großen Leinwand und des böllernden Soundsystems: Es gibt keine Möglichkeit sich der Überwältigung durch grelle Visuals oder überlaute Soundeffekte zu entziehen. Vielleicht war der 2015er “Poltergeist” weniger gut, als ich ihn in diesem dunklen Saal (nur hier und da illuminiert durch…naja, ihr wisst’s ja!) empfand. Was man ihm aber wirklich anlasten kann, ist eine (wenn auch gut getimete) altbackene Abfolge von “scare jump” und “comic relief”. Echtes Grauen will sich nicht einstellen, das war aber schon beim Original nicht anders. Ghouls ‘n’ Gimmicks.
Sam Rockwell, der hier den Familienvater spielt, gebührt ein Lob dafür, dass er durch seine lockere Art die komischen Sprengsel auf den Punkt bringt, ohne jemals bemüht zu wirken – oder gar zu scheitern. Die anderen Darsteller spielen im Rahmen der Möglichkeiten, die solch ein Film ihnen lässt. Enttäuscht war ich von den 3D-Effekten, die nicht ganz mit dem Gezeigten harmonieren wollten und auch oft nicht ihre Trümpfe ausspielen konnten. Obwohl angeblich in “echtem 3D” gedreht, wirkte der Film nur nachbearbeitet. Bis auf ein, zwei Szenen alles ziemlich unspektakulär. Um dieses Spektakel zu sehen, betrat ich aber den Saal des Lichtspielhauses!
Über eine Sache bin ich mir noch nicht ganz im Klaren: Ob ich die Spiegelszene des ursprünglichen Films vorziehe (die damals auf der Videokassette gekürzt war) oder doch die weniger bluttriefende, dafür aber offensivere und moralinsäuerlichere des Remakes. Denn einem Irrtum darf man sich nicht hingeben: Die Familie ist im Horror Hollywoods immer noch unantastbar. Sie mag gebeutelt sein, Schrammen und Wunden davon tragen, der Zusammenhalt bleibt jedoch um jeden Preis erhalten. (Haustiere normalerweise auch, in diesem Falle gab es keins.) Popcornhorror mit Happy End und Schlussgag. Muss halt auch mal sein. 6/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 31.05.2015)
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