The Attic Expeditions

The Attic Expeditions

(Regie: Jeremy Kasten – USA, 2001)

Trevor Blackburn erwacht in einem Hospital aus einem Koma. Er hat keinerlei Erinnerung an die Vergangenheit. Mysteriöse Todesfälle und Trevors Drang nach Antworten, bringen ihn und einen anderen Patienten dazu, die Lösung im Dachgeschoss zu suchen. Ein unheimlicher Doktor setzt ihn darüber in Kenntnis, dass er wegen des grausamen Mordes an seiner Verlobten in ein Sanatorium für geisteskranke Kriminelle verlegt wird. So findet er sich schließlich in einem Haus voller Psychopathen wieder und verliert nach und nach den Bezug zur Realität. Es ist eine magische Welt der Gewalt, der Alpträume, durchdrungen von wilden sexuellen Eskapaden und abartigen medizinischen Experimenten. Ein schmaler Grat zwischen Illusion und Wahrheit…

Wenn Seth Green (bekannt aus der “Austin Powers”-Reihe) im Making of dieses Films darüber schwadroniert, dass “The Attic Expeditions” ein Horrorfilm für “smart people” sei, impliziert dies gleichzeitig, das Horrorgenre sei für gewöhnlich eine Unterhaltungsform für die geistig Minderbemittelten unter uns. Ich bin mir sicher, es gibt in gewissen Kreisen ähnlich lautende Meinungen, man muss nur mal die öffentlichen Äußerungen zum Thema Horror mit den Schlagwörtern “subtiler Grusel” und “Blut” bzw. “Gewaltdarstellung” abgrasen, um ähnlichen Unsinn, Unfug und Mumpitz ans Licht zu bringen.
Der furchtbar schlaue Überbau aus “Horror In The Attic” (deutscher Verleihtitel) ist dann auch nur ein laues Lüftchen, besser gesagt ein allseits bekanntes Symbol aus der Traumdeutung: Der menschliche Körper als Haus und der Dachboden als Verkörperung des Geistes. Inklusive der Vergangenheit und verschütteten Erinnerungen. Zusätzlich befinden sich diese noch in einer abgeschlossenen Truhe, damit dem imbezilen Horrorfan auch gleich klar ist, worum es geht. Um auch die Anhänger von Mythen und Märchen abzuholen, gibt Regisseur Jeremy Kasten, der das sehr durchwachsene und “unausgegorene” (höhö!) Remake von “The Wizard of Gore” drehte und ebenfalls an “The Theatre Bizarre” beteiligt war, noch einen Schuss “Necronomicon” hinzu, nicht im Sinne von H.P. Lovecraft, sondern eher in der leichtfüßigen Variante des “Evil Dead”-Regisseurs Sam Raimi, dessen Bruder Ted hier einen Doktor spielt. Einen Doktor, der eine Leopard-Krawatte trägt, verdammt – wie ernst soll man das Ganze also schon nehmen? Jeffrey Combs gibt einen weiteren Arzt; nicht sehr ungewöhnlich, denn der “Kult”schauspieler ist ja sowieso spätestens seit “Re-Animator” auf die Rolle des “mad scientist” festgenagelt.
Vor allem Combs spult sein Standardprogramm ab, was nicht besonders hilfreich ist, da auch die anderen Darsteller kaum mehr als Durchschnittsleistungen abrufen können. Es überrascht dann auch wenig, dass Gelegenheitsmime, Golf-Ass und Rock-Veteran Alice Cooper mit einer der markantesten Darbietungen brilliert, wenn er als Patient der Psychiatrie fürchtet, er würde immer weiter schrumpfen: “Messen sie mich! Messen sie mich!”
Das niedrige Budget wird kreativ genutzt, die Geistesblitze von Cast und Crew reichen aber nicht aus, um ab und zu einen leicht billigen Eindruck zu kaschieren. Dafür ist auch die Geschichte zu gewöhnlich, die sich zwar vertrackt und mysteriös geriert, aber immer wieder in das Fahrwasser von 1001 Filmen gerät, die etwas Ähnliches schon in den letzten 40 Jahren auf die Leinwand gebracht haben.
Hier gibt’s also keine Originalitätspreise zu gewinnen, das macht aber nichts, denn trotz der offensichtlichen Mängel, weiß “The Attic Expeditions” über 90 Minuten zu unterhalten, wenn man sich auch weniger gruselt oder gar fürchtet. Es macht einfach Spaß, wie Hauptfigur Trevor Blackburn (gespielt von Andras Jones, den man vielleicht noch aus “A Nightmare On Elm Street 4” kennt) Schritt für Schritt zu dem Schluss kommt, dass man sich gegen ihn verschworen hat und er nach und nach die Erinnerung an die wirklichen Geschehnisse zusammenbringen kann. Und es ist ein Puzzle aus mindestens tausend Teilen, denn Regisseur Jeremy Kasten flickt hier Elemente aus Psycho-Thriller, surrealer Mystery, Okkult-Schocker, Geistergrusel, Whodunit und Erotik zusammen, die nicht immer nahtlos aufgehen, aber einen farbenfrohen Teppich des Grauens ergeben.
“The Attic Expeditions” bietet außerdem wieder mal ein gutes Beispiel dafür, dass die BWL-Suits der Produktion besser ihre Griffel aus der kreativen Arbeit lassen, denn der Metal-Soundtrack des Films ist dermaßen unpassend, dass es geisteskrank gewesen wäre, wenn sich Jeremy Kasten nicht mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hätte. Er verlor den Kampf gegen die Produzenten. Fragen sie doch jemanden, der sich damit auskennt, liebe Schlipsträger: Alice Cooper soll am Set gewesen sein. 6/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 14.01.2016)
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