The Cabin In The Woods

The Cabin In The Woods

(Regie: Drew Goddard – USA, 2012)

Fünf junge Collegekids machen sich mit einem Camper auf den Weg in eine Waldhütte. Mit dabei sind die attraktive Jules (Anni Hutchison), ihr Sportlerfreund Curt (Chris Hemsworth), dessen farbiger Kumpel Holden (Jesse Williams), der nette Kiffer Marty (Fran Kranz) und die niedliche Dana (Kristen Connolly). Aufzeichnungen aus einem Tagebuch deuten schon an, dass es vor Ort nicht eben heiter vor sich geht und was bleibt fünf Teens im Wald schon anders übrig, als einen furchtbaren und grausamen Tod in den Händen von Zombies zu finden. Aber vielleicht ist ja diesmal nicht alles genau so, wie man es in- und auswendig kennt. Vielleicht werden diesmal die Erwartungen auf den Kopf gestellt. Und was aber haben Richard (Bradley Whitford) und Steve (Richard Jenkins) eigentlich mit diesem unheilvollen Trip zu schaffen, von dem sie offenbar mehr wissen, als es normal möglich für sie wäre…

Aufgeklärte Menschen lieben Naturwissenschaften. Sie respektieren und verehren Ingenieure, die Maschinen bauen können, deren Grundlage die Mathematik ist. Für Irrationales ist in einer solchen Welt kaum Platz mehr, denn die “ratio” hat den Lagerraum für das Phantastische “rationiert”. Es muss sich mit Nischen und kleinen Ecken begnügen, vornehmlich in Kunst, Film, Musik und Literatur. Versucht es ein Resort im “echten Leben”, der sogenannten “Realität” zu beanspruchen, hat es Glück, wenn es als Esoterik geduldet und milde belächelt wird.
In “The Cabin In The Woods” hat die Ingenieurskaste einen Weg gefunden, den Körper der Menschen zu einem höheren Zweck zu verwerten: Das Bestehen der Menschheit. Im Grunde nichts weiter als ein hochtechnisierter und -maschinisierter Opferaltar, der die Dinge am Laufen halten soll.
Diesen Grundgedanken könnte man jetzt weiter ausführen und eine Diskussion über Mensch vs. Maschine vom Zaun brechen (oder überhaupt über den Sinn des Lebens und Fortpflanzens), dies ist aber gar nicht nötig, denn “The Cabin In The Woods” ist eine stinknormale Horrorparodie, die sich freimütig im Genre bedient und sich durch ihren Plottwist besonders schlau vorkommt.
Bis die ersten 60 Minuten vorbei sind, haben wir es mit einem Mix aus “The Evil Dead” und “The Truman Show” zu tun, der mich vor allem damit beschäftigt, ob ich Jim Carrey und Bruce Campbell wirklich mal zusammen in einem Film sehen möchte. Es passiert nämlich nicht viel: Man hakt die gängigen Backwood-Slasher-Punkte auf der Liste ab und erklärt das doofe und unlogische Verhalten der Protagonisten, das man aus tausend anderen Streifen dieser Art kennt, durch geschickte Manipulation einer Organisation im Hintergrund. Die NSA im Mantel eines Hohepriesters mit gezücktem Dolch. Vielleicht.
Gegenüber den Klassikern des Genres kann ich keine Vorzüge erkennen, wenn man von drei, vier gelungenen Gags absieht. Im Gegenteil, “The Cabin In The Woods” ist über weite Teile viel zu dunkel fotografiert, gehemmt in der Gewaltdarstellung und macht den allseits beliebten Fehler CGI einzusetzen, wo es absolut nicht passend ist. (Lebewesen und Blut aus dem Computer? Sah schon immer scheiße aus, wird wohl auch immer scheiße aussehen.)
Das ist eine absolut schlechte Idee, denn in der letzten halben Stunde möchte der Film von Regisseur Drew Goddard vor allem mit Schauwerten punkten. Hier gerät “The Cabin In The Woods” mächtig ins Hintertreffen, denn was ein gewitztes Finale hätte sein können, wird durch die lieb- und ideenlose Umsetzung zu einem ärgerlichen Raubzug durch Figuren und Motive der weltweiten Horrorgeschichte. (Selbst die ominösen “Alten” verweisen ja wieder mal auf H.P. Lovecraft.)
Immerhin wird die Geschichte konsequent zu Ende gebracht, mit Charakteren, die viel zu gutherzig sind, wenn auch nicht auf den ersten Blick.
Die mediokren Qualitäten von Goddards Film offenbaren sich auch im Soundtrack, der uninspirierten Alternative- und Industrial-Rock auffährt, welcher schon seit mehr als 20 Jahren im Horrorfilm US-amerikanischer Prägung nervt.
Mit “The Cabin In The Woods” hat sich Drew Goddard schlicht übernommen. Seine Kritik an den Ungereimtheiten des Horrorfilms und dessen Entwicklung hin zum”Torture Porn” ist oberflächlich und wirr, als Unterhaltungsfilm bleibt sein Leinwandzweitling (nach “Cloverfield”) erst recht konventionell und wenig bissig.
Ich gebe einen Extrapunkt für das mordende Einhorn. 6/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 17.05.2015)
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