The Tall Man

The Tall Man

(Regie: Pascal Laugier – USA/Kanada/Frankreich, 2012)

Das abgelegene und verarmte Provinzdörfchen Cold Creek ist schon sechs Jahre tot. Zuerst dachten die Einwohner, dass die Schließung der Mine für die Verarmung verantwortlich war, jedoch ist etwas Unheilvolles in die Stadt gekommen, das die Kinder der verarmten Familien nach und nach verschleppte. Die Bewohner vermuteten, es sei eine Kreatur der Dunkelheit und nannten das Wesen den “Tall Man”. Krankenschwester Julia (Jessica Biel) führt so gut es geht mit ihrem kleinen Sohn David (Jakob Davis) ein ruhiges und bescheidenes Leben. Doch als eines Nachts auch David verschwindet, nimmt Julia die Verfolgung auf und entdeckt die grausame Wahrheit, die hinter dem Tall Man steckt…

“Martyrs” war eine vor Psychogemeinheiten nur so strotzende Schlachtplatte, die aufgrund ihrer Gewaltdarstellung auch außerhalb des Zirkels abgebrühter Horror-Aficionados Wellen schlug und neugierig goutiert wurde. Die unterschiedlichen Geschmäcker führten zu unterschiedlichen Urteilen, kalt ließ Pascal Laugiers Brutalitätenpanoptikum aber kaum jemanden, der es gesehen hatte. Ein viel diskutierter Schocker, dessen Auflösung bei manchem für ähnlichen Frust sorgte, wie das Ende von “Haute Tension” – ebenfalls ein blutiger, französischer Horrorfilm.
Bei seinem “neuesten” Werk setzte Regisseur Laugier nun zum Sprung in die familienkompatible Welt des Erfolgskinos an und verpflichtete für die Hauptrolle Jessica Biel, die mit ihrem makellosen (und daher völlig uninteressanten) Gesicht schon in der ärgerlichen Neuauflage des “Texas Chainsaw Massacre” von Michael Bay dekorativ in der Kulisse stand und das seelenlose Oberflächenschauspiel Hollywoods verkörperte. Absolute Fehlbesetzung, auch weil die mittlerweile Über-30-Jährige immer noch aussieht wie Anfang 20 und in “The Tall Man” eine erfahrene und vom Leben gezeichnete Frau darstellen soll. Das passt hinten und vorne nicht zusammen.
Ansonsten ist Laugier aber bemüht jeden Eckpunkt des Mainstreamhorrors (der sich am liebsten “Thriller” nennt, hier: “Mysterythriller”) abzuhaken und langweilt sowohl auf der Drehbuch-, als auch der Filmebene mit abgestandenem “guten Geschmack”, der sich seit Jahren auf der Leinwand bewährt hat. Dazu gehören auch schöne Panoramaaufnahmen der Berg-, Wald- und Minenlandschaft, die wahrscheinlich per Hubschrauber abgefilmt wurden. Diese leicht federnden Einstellungen sind dann auch schon das Beste an “The Tall Man”. Der Rest besteht aus dem 08/15-Derivat von Schema F und langweilt tödlich über 100 Minuten.
“Martyrs” widmete Pascal Laugier seinem Kollegen Dario Argento, der in seiner Trilogie aus “Suspiria”, “Inferno” und “The Mother of Tears” die “drei Mütter” wesentlich phantasievoller inszenierte, als Laugiers geistloser (und zudem auch klassistischer) Kommentar zu “unseren” Kindern und “unserer” Zukunft. (Kann sein, dass Eltern anders auf diesen Film reagieren, meine Hand würde ich aber nicht dafür ins Feuer legen.) Ich schäme mich ein bisschen, dass ich hier diesen Vergleich ziehe. Es finden sich weder auf inhaltlicher, noch formaler Ebene Berührungspunkte mit dem Großmeister des Giallos und des italienischen Horrorfilms.
Und überhaupt: Es gibt nur einen “Tall Man”! Und das ist Angus Scrimm in Don Coscarellis ingeniöser “Phantasm”-Reihe. “Die Angst hat viele Gesichter” behauptet die Tagline auf dem DVD-Cover, Jessica Biel hat nicht mal eins. Ab in die Tonne. 3/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 23.11.2015)
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