The Tomb

The Tomb

(Regie: Ulli Lommel – USA, 2007)

Aus der Ohnmacht erwacht, befreit sich eine junge geschundene Frau aus der Plastikfolie, die ihren Körper fesselt. Als sie sich umsieht, findet sie sich in einem dunklen, feuchten Kellerraum wieder. Überall stehen verschlossene Holzsärge, doch sie findet noch jemanden, der am Leben ist. Gemeinsam versuchen sie heraus zu finden, in was für einem makaberen Spiel sie die Hauptrollen spielen.

Aus den schmuddeligen Tiefen des Kaufhauswühltisches steigt diese Produktion des Vielfilmers und Schnellschießers Ulli Lommel empor, der vor einer gefühlten halben Ewigkeit mal ein vielversprechender, junger Filmemacher war, welcher neben abstrusem, esoterischem Zeitreiseschmu wie “Haytabo”, an dem sich Mitglieder der Kommune 1 (namentlich Rainer Langhans und Uschi Obermaier), sowie Eddie Constantine beteiligten, auch mit “Die Zärtlichkeit der Wölfe” und “The Bogey Man” Filme schuf, die auf den Geschmack eines Genre-affinen Publikums zugeschnitten waren, und damit hin und wieder ins Schwarze traf.
“The Tomb” wirbt sowohl auf dem Cover der DVD wie im Vorspann mit dem Namen H.P. Lovecrafts, dessen gleichnamige Kurzgeschichte jedoch nichts mit der Handlung des vorliegenden Lommel-Films zu tun hat. Im Gegenteil, Ulli dachte wohl, es sei an der Zeit den x-ten Aufguss von “SAW” in das Direct-To-Video-Geschäft zu schleusen, in einer fürchterlich dilettantischen Ausführung, die dem Hobby- und Amateurbereich entsprungen sein könnte, hätte der Regisseur nicht schon ein paar größere Kino-Releases erlebt.
Das grauenhafte Setdesign und die Requisite, die sich augenscheinlich aus dem Müll des örtlichen Nanu Nana und des Ramschtrödlers bedient, werden “stimmungsvoll” von einem untalentierten Kameramann eingefangen, der desöfteren an der Unfähigkeit des Beleuchters verzweifelt. So sehen Home- und Urlaubsvideos aus, vorausgesetzt, man verbringt seinen Urlaub in der Tiefgarage. Was uns auch schon gleich zum Schauplatz des Geschehens bringt: Einer etwa supermarktgroßen Lagerhalle, die aber durchaus dazu ausreicht, die einfach gestrickten Hauptpersonen orientierungslos herumirren zu lassen.
Das ist das Schönste an “The Tomb”: Während irgendein rachsüchtiger Spacko mal wieder ein “Spiel spielen” möchte, wagen die Protagonisten nicht einen einzigen Ausbruchsversuch, ja, nicht mal eine Attacke auf den Bösewicht. (Welcher am liebsten mit einer Gummiaxt vor der Tastatur seines PCs sitzt und Anweisungen auf kleine Zettelchen kalligraphiert, sollte er nicht gerade “on the mic” die neusten Ansagen in den Folterkeller dröhnen und lachen.) Sie geben sich damit zufrieden, Todgeweihte aufzuspüren (in der Regel bedeutet das, in sie hineinzustolpern), diese ein wenig quatschen und dann sterben zu lassen – Einsargung inklusive: Deckel druff, acht Nägel rinn, Klappe zu, Affe tot!
Ach ja, Lovecraft. Da war doch noch was? Stimmt! Um den Etikettenschwindel des Filmcovers nicht ganz so offensichtlich zu machen, kennt eine Person im Film jemanden, der mal ein Buch von H.P. Lovecraft gelesen hat und daraus auch ein oder zwei Kurzgeschichten, die es ihm ermöglichen Namedropping zu betreiben: Charles Dexter Ward. Für den weiteren Verlauf von “The Tomb” völlig unerheblich, aber es macht sich halt so gut im Vorspann und auf dem Cover: “A H.P. Lovecraft Story.”
Diese No-Budget-Leichenfledderei dürfte ein weiterer Tiefpunkt in dem an Tiefpunkten nicht armen Œuvre von Ulli Lommel sein, der sich nicht zu blöde war, “Daniel, der Zauberer” zu drehen. Genau, die grotesk-exhibitionistische Selbstdarstellung eines dieser DSDS-Kasper in Feature-Länge.
Hier stellt sich ernsthaft die Frage, ob man wirklich Filme machen muss, nur weil man es kann, Herr Lommel. Hirnrissig-hanebüchener Horror-Humbug. Hilfe! 1,5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 14.01.2015)
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