The Wicker Man

The Wicker Man

(Regie: Robin Hardy – Großbritannien, 1973)

Police Sergeant Howie (Woodward) bekommt einen Brief, in dem er gebeten wird, auf einer schottischen Insel das Verschwinden eines 12-jährigen Mädchens aufzuklären. Als er auf der Insel ankommt, merkt er ziemlich schnell, dass etwas nicht stimmt. Niemand will das Mädchen gesehen oder gekannt haben, Kirchen sind verwüstet, die Einheimischen pflegen seltsame Sitten und Gebräuche. Zu spät merkt Howie, dass der Herscher der Insel, Lord Summerisle (Christopher Lee), ein teuflisches Spiel mit ihm treibt…

Nachdem sich das Christentum durch Europa und Amerika planiert hatte, schickten sich die Bulldozer an, auch im Rest der Welt eine Monokultur zu errichten, die den Gesetzen und Riten des karnevalistisch-kannibalistischen Totenkults der aufgeblähten römischen Sekte gehorchte, welche dem jüdischen Sohn einer bettelarmen Zimmermannsfrau, geschwängert von einem “heiligen” Geist, bis zum heutigen Tage huldigt.
In Robin Hardys “The Wicker Man” verschlägt es Edward Woodward in der Rolle des Police Sergeant Howie auf eine rurale schottische Insel, wo sich abseits der britischen Hauptinsel und des europäischen Festlands ein heidnischer Kult entwickeln konnte, der der finsteren Lebens- und Liebesverachtung des Christentums eine positivere Sichtweise des Daseins entgegensetzt, nicht ohne eigene Schattenseiten.
Nach Jahren der aus dem Vollen schöpfenden Apfelernten, kommt es zum ersten Mal zu einer Missernte. Ein Menschenopfer soll Abhilfe schaffen. Ein kleines Mädchen an der Schwelle zur Pubertät wird vermisst.
So macht sich also der Polizist auf den Weg, das Verschwinden aufzuklären. Er ist ein bemitleidenswerter Mann, dessen völlige Leere nur durch seine Polizeiuniform und die auswendig gelernten Glaubenssätze der christlichen Religion zusammengehalten und vor der Implosion in ein schwarzes Loch bewahrt wird. In ihm spiegeln sich alle geistigen und seelischen Deformationen wider, welche die totalitäre Herrschaft des Christentums in der Welt verbreitet hat. Angefangen bei einer völlig wertlosen Autoritätshörigkeit, die nicht nur auf tönernen Füßen steht, sondern völlig unbegründet ist, bis zu einer phantasielosen Lustfeindlichkeit, die tiefere, schmerzvollere Ursachen haben muss, als nur eine zu eng geknüpfte Uniform.
“The Wicker Man” ist fest im Geiste der Hippiebewegung verankert, die den überkommenen Mief der althergebrachten Lebensweise überwinden will, und den Pestgeruch des Kadavergehorsams aus den bunten Kleidern schlägt, sowie die starr- und unsinnigen Regeln verlacht und bricht. Kann man bei diesem Totengestank überhaupt noch von einer “Lebensweise” sprechen? Durch die vergammelten Zähne der Alten pfeift allein schon der Tod sein Liedchen, seine Weise des Grauens.
Musik spielt eine große Rolle, manche sehen in Hardys Film sogar ein Musical. Soweit würde ich nicht gehen, aber “The Wicker Man” ist einer der seltenen Fälle, in der ein Filmemacher seiner Vision konsequent folgt, ohne sich um Konventionen zu scheren. Im Spannungsfeld zwischen schottischer und englischer Folklore, sowie den popmusikalischen Klängen des Folk Rock im Sinne der Incredible String Band oder Comus, wird der Film vom Herzschlag der Musik vorangetrieben, komponiert von Paul Giovanni, dargeboten und eingespielt vom Cast und der Gruppe Magnet.
“The Wicker Man” hätte es bei einem heutigen Kinostart schwer, zu sehr würde man die Parallelen zur “Mär vom edlen Wilden”, die den naturwissenschaftlichen Zynikern des Fortschritts, die erstaunlicherweise noch mehr bornierte Dummheiten auf Lager haben als gläubige Christen, nicht mehr zugänglich ist, ausbreiten und gutmütig glucksend die Naivität hinter den Gedanken beschmunzeln. Police Sergeant Howie ist so sehr in seinen vermeintlichen Überzeugungen gefangen, dass er nicht in der Lage ist, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Die für seine Augen schockierende Lebensweise der Inselbewohner ist nicht befremdlicher, als die Riten und Kulthandlungen, denen er im Namen Jesus Christus anhängt. Der spirituelle Kahlschlag, den seine Religion verantworten muss, hinterlässt eine Leere, die ihn zusammenzucken lässt, wenn er auf geistiges Leben trifft, das nicht der leblosen, genormten Ödnis entspricht, die man in ihn während seiner Kindheit und Jugend hineingeprügelt hatte.
Das Traurige ist nicht der Tod eines Menschen zum Schluss dieses Films, sondern dessen ekelhafte Auferstehung in der Mehrheitsgesellschaft, die sich leider nicht so einfach verbrennen lässt, während sie ihren tief verinnerlichten, aber absolut nutzlosen Katechismus vor sich herbetet.
Mit Christopher Lee, der “The Wicker Man” zu seinen Lieblingsarbeiten zählt, und Britt Ekland (bekannt aus einem der vielen “James Bond”-Reißer) sind auch weitere Rollen mit großen Namen besetzt, alle machen ihre Sache tadellos, ebenso wie der Kameramann, der aus ruhigen, idyllischen Bildern infernalisches Grauen enstehen lässt, nicht ohne kecke, surreale Schlenker, die den mysteriösen Horror mit Witz und Humor unterfüttern. Eine saftige Bilderwelt, die sich nach allen Richtungen streckt, aber vor allem der Sonne zustrebt, während Edward Woodward in seiner Uniform verdörrt und verkrüppelt.
Schon damals versuchten die Produzenten Robin Hardys Pflanze im Keim zu ersticken und brachten den Film in einer Fassung in die Kinos, die so vom Regisseur nicht gewollt war und ca. 15 Minuten an Material vermissen ließ. Erst Jahrzehnte später konnte ein Director’s Cut veröffentlicht werden. Umso erstaunlicher, dass “The Wicker Man” auch im “Original Theatrical Release” seine betörende Wirkung entfaltet. Da das Beschneiden der Triebe nicht fruchtete, beschloss man 30 Jahre später mit härteren Mitteln vorzugehen und dieses filmische Unikat mit der DDT-Wirkung eines Remakes endgültig zu vergiften. Es ist ihnen nicht gelungen. Die Sonne wird wieder aufgehen. 9/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 28.02.2016)
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