Zombi 4: After Death – Das Böse ist wieder da

Zombi 4: After Death – Das Böse ist wieder da

(Regie: Claudio Fragasso – Italien, 1988)

Nachdem ein Woodoo-Priester das Tor zur Hölle geöffnet hat, erheben sich auf einer Insel die Toten und wandeln als Zombies unter den Lebenden.
Jahre später betritt eine Gruppe von Abenteurern, darunter auch Jenny (Candice Daly), deren Eltern einst auf dieser Insel ums Leben kamen, das Eiland der lebenden Toten, um das Tor zur Hölle wieder zu verschließen und dem Horror, der dort herrscht ein Ende zu bereiten. Doch Ihr Vorhaben gestaltet sich schwieriger als gedacht, als sie von den Zombies angegriffen werden und einer nach dem anderen der Truppe ihnen zum Opfer fällt, um als eben solcher erneut aufzustehen und Candice’ Vorhaben zu vereiteln…

Auch wenn man gerne davon ausgehen würde, dass sämtliche Unterhaltungsprodukte mit einem gewissen künstlerischen Anspruch ersonnen werden, muss man ihren Produktcharakter wahrnehmen und einsehen, dass es im Filmgeschäft oft mehr ums Geschäft, als um den Film geht.
So ist auch Claudio Fragassos inoffizielle Fortsetzung des Lucio-Fulci-Klassikers “Zombi 2”, den man in Deutschland vor allem unter seinem Verleihtitel “Woodoo – Schreckensinsel der Zombies” kennt, eine unbefriedigende Mischung aus Notlösung und Totgeburt, die wir dem Umstand verdanken, dass der Produzent von “Zombi 3”, an dessen Set Fragasso schon als Sidekick von Bruno Mattei (“SS Girls”, “Die Hölle der lebenden Toten”) gearbeitet hatte, diesen finanziellen Flop ausbügeln wollte. Deshalb bestellte er Fragasso zurück an den Drehort auf die Philippinen, und bat ihn, in den selben Studiokulissen wie “Zombi 3”, einen weiteren Untotenfilm zu realisieren. So gut wie ohne Budget, so gut wie ohne Drehbuch. Den Schlock, der letztlich auf der Leinwand landete, hat sich Fragassos Ehefrau aus den Langfingern gesogen, entlehnt sie doch fast alle Storyteile aus bekannten Filmen der italienischen Horror- und Splatterwelle. Sie bedient sich ebenso freimütig bei Filmen des weiter oben schon erwähnten Lucio Fulci, wie sie auch bei Lamberto Bavas “Dèmoni” klaut.
Nicht nur das: Auch die derben, effektheischenden Splattereinlagen zu Beginn von “Zombi 4” sind ein kompletter Rip-Off dessen, was Sergio Stivaletti als Effektkünstler in “Dèmoni” auf die Bühne (oder besser: Leinwand) bringt. Wegen des fast nicht vorhandenen Budgets, trumpft Fragassos Film auch nur am Anfang und zum Ende hin mit aufwendigeren Masken und schönem Gematsche im Gekröse auf. Zwischendrin behilft man sich mit der Explosion kleinerer Blutpacks bei schweren Gefechten und Zombies, die man wie Mumien (obwohl es auch Dämonen sein könnten; das zusammengeraubte Drehbuch lässt da keine endgültigen Schlüsse zu) in alte Lumpen einwickelt. Aufgrund des hohen Schusswaffengebrauchs, sowie einiger Kampfsporteinlagen, weht ein Hauch von Söldner- und C-Action durch “After Death – Das Böse ist wieder da”, der in einem Horrorfilm natürlich äußerst fehl am Platz ist. Die jämmerliche Synth-Untermalung, sowie Frisuren und Kleidung der Protagonisten, versichern nochmal, dass wir uns stilistisch in den ausgehenden 80ern befinden, deren Unstil noch weit bis in die frühen 90er wirken wird.
Umso erstaunlicher, dass es dieses dreiste Plagiat noch in die Kinos Italiens schaffte! Mit Sicherheit ein weiterer Totengräber für den Italienischen Film, der in den 1990ern katastrophal kollabierte und dadurch dafür sorgte, dass Regisseure wie Claudio Fragasso zukünftig für das italienische Fernsehen arbeiten mussten. Leider rissen sie auch weitaus talentiertere Kollegen mit in den Abgrund; als etwa Michele Soavi (welcher zu Dario Argento in einem ähnlichen Schüler-Lehrer-Verhältnis stand, wie Fragasso zu Mattei) sich 1994 in einem letzten Kraftakt aufbäumte und den großartigen “Dellamorte Dellamore” schuf, bevor der Italienische Horrorfilm endgültig in der Versenkung verschwand.
Claudio Fragasso wird das egal sein. Laut Quellen im Internet, erfreut er sich bester Gesundheit und besucht Fan-Screenings seines Machwerks “Troll 2”, das in Übersee Kultstatus erworben hat. Sei’s ihm gegönnt (wie auch dem Filmproduzenten, der sich tatsächlich (!) mit diesem Machwerk finanziell sanierte), denn “Zombi 4” ist allerhöchstens als Trashgranate unter Drogeneinfluss goutierbar. 3,5/10

Trailer

(Zuerst veröffentlicht bei http://hhp-hangover.de am 27.01.2015)
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